Unterernährte Kinder in Kenia ziehen Wasserkanister durch die knochentrockene Wüste Kenias: Der Klimawandel ist Realität.
Unterernährte Kinder in Kenia ziehen Wasserkanister durch die knochentrockene Wüste Kenias: Der Klimawandel ist Realität. dpa/Brian Inganga

Viele Menschen denken angesichts der globalen Erwärmung an eine planetare Katastrophe: Aktuell sind laut WWF ein Viertel aller Säugetierargen, jede achte Vogelart, mehr als 30 Prozent der Haie und Rochen sowie 40 Prozent der Amphibienarten bedroht. Der Mensch könnte eine Klimakatastrophe überleben, indem er aus irgendwann unbewohnbaren Gebieten in vom Klimawandel weniger betroffene Gebiete flieht. Tatsächlich findet eine derartige Flucht aus dürregeplagten Regionen längst statt. 

Klimakollaps: Der Mensch stirbt nicht aus, aber die Zivilisation, wie wir sie kennen, droht unterzugehen

Doch was passiert, wenn immer weniger Regionen lebenswerte Voraussetzungen bieten, dort zu leben und zu arbeiten? Ein solcher Klimakollaps wäre nicht zwangsläufig das Ende der Menschheit. Denn wer es sich leisten kann, wird sich schützen. Jetzt schon ist das Leben in Wüstenstaaten wie dem WM-Gastgeberland Katar bei Höchstwerten bis zu 50 Grad nur mithilfe von Klimaanlagen erträglich. Extremwerte von 40 Grad und mehr werden auch in Deutschland gemessen. Ohne Klimaanlagen werden Ältere und Kranke solche Temperaturen nicht lange überleben. Sengende Höchstwerte gefährden Ernten, lassen Preise für Lebensmittel in die Höhe schnellen.  Was ist mit denen, die sich das Nötigste zum Leben nicht mehr leisten können?

Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf warnt vor einem Ende der Zivilisation, sollte es zum Klimakollaps kommen. „Der Mensch wird sicher nicht aussterben, aber das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, kann ich mir schon vorstellen“, sagte der Physiker und Ozeanograph am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung dem „Tagesspiegel“: „Ich bin nicht sicher, wie stabil unsere gesellschaftliche Ordnung ist, wenn es in größerem Ausmaß zu Missernten, Hungersnöten und Massenmigration kommt.“

„Sicherheitsrisiko Klimawandel“: Rekorddürren drängen fragile Staaten in den Kollaps

Schon 2007 habe der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung ein Gutachten „Sicherheitsrisiko Klimawandel“ erarbeitet, wo es auch um solche Risiken ging. „Wir haben vor dem Kollaps fragiler Staaten nach Extremereignissen gewarnt, wie es Jahre später nach der Rekorddürre in Syrien geschehen ist“, sagte Rahmstorf.

Vor diesem Hintergrund frage er sich seit Jahrzehnten, warum wir beim Klimaschutz nicht weiterkommen, sagte Rahmstorf, der 2007 einer der Leitautoren des 4. Berichtes des Weltklimarates war. Er komme immer mehr zu dem Schluss, dass es Lobbygruppen seien, die nachweislich hunderte Millionen Dollar ausgegeben haben, um Zweifel an der Klimawissenschaft zu wecken.

Viele Medien seien dieser Propaganda auf den Leim gegangen und hätten kritiklos „Klimaskeptiker“-Unsinn verbreitet. „Als gäbe es da eine ernsthafte Fachdebatte. Nach wie vor ist der öffentliche Diskurs Lichtjahre vom wissenschaftlichen entfernt“, kritisierte Rahmstorf. Vom 6. bis 18. November findet im ägyptischen Scharm el Scheich die nächste Weltklimakonferenz statt.