Kapitol-Polizist Aquilino Gonell weint, als er Videos vom Sturm auf das Kapitol sah.  imago/ZUMA Wire

Der Polizist Aquilino Gonell hatte Tränen in den Augen, als er vor einem Kongress-Komitee über den Sturm tausender Trump-Anhänger am 6. Januar auf das Kapitol berichtete: „Ich dachte, ich müsste sterben.“ Er hatte aber auch Sarkasmus übrig. Zur Behauptung von Ex-Präsident Donald Trump, es sei eine „sehr liebevolle Menge“ gewesen, erklärte der damals verletzte Gonell: „Ich erhole mich noch immer von diesen Umarmungen und Küssen.“

Fünf Menschen waren am Ende bei dem Sturm auf das US-Parlamentsgebäude ums Leben gekommen, darunter ein Polizist. Es sei wie eine „mittelalterliche Schlacht“ gewesen, berichtete der Kapitol-Polizist Gonell, er habe mehr Angst gehabt als bei seinem Einsatz als Soldat im Irak.

Wie von Sinnen stürmten Trump-Anhänger ins Kapitol, um Joe Bidens Präsidentschaft zu verhindern. imago/Pacific Press Agency

Gonells schwarzer Kollege Harry Dunn berichtete in der von den US-Fernsehsendern übertragenen Sitzung über wüste rassistische Beschimpfungen, als er der Menge zurief, er habe Joe Biden gewählt, und sie fragte: „Zählt meine Stimme nicht?“ Die Angreifer hätten alle möglichen Waffen - auch Fahnenstangen oder Teile von Metall-Fahrradständern - gegen Polizisten eingesetzt und diese blutig geschlagen. 

„Erschießt ihn mit seiner eigenen Waffe!“

 Michael Fanone von der Washingtoner Polizei sagte aus: „Ich dachte an meine vier Töchter, die ihren Vater verlieren könnten.“ Er sei geschlagen, mehrmals mit einem Elektroschocker traktiert und massiv bedroht worden. Die Menge habe gebrüllt: „Erschießt ihn mit seiner eigenen Waffe.“ Mit dem Hinweis auf seine Kinder habe er um sein Leben gefleht. Das war in höchster Gefahr: Er wurde bewusstlos und erlitt einen Herzanfall.

Am Ende schlug Fanone auf den Tisch und beschuldigte Republikaner, sich „schändlich indifferent“ gegenüber dem Terror zu verhalten und ihren Amtseid zu verletzen. 

Die Polizisten Aquilino Gonell, Michael Fanone, Daniel Hodges und Harry Dunn (v. l.) werden vor ihrer Aussage im Kongressausschuss vereidigt.   AFP/Chip Somodevilla 

Gonell berichtete, er habe er seine Frau wegschieben müssen, als er nach Hause kam, weil seine Uniform mit Chemikalien getränkt war, die Angreifer auf ihn gesprüht hätten.

Die Lippen des Washingtoner Polizisten Daniel Hodges zitterten, als ein Video gezeigt wurde: Er, eingeklemmt in einer Tür, wird geschlagen. Immer wieder sprach er bei seiner Anhörung von Terroristen. Erschüttert sei er damals gewesen, als er immer wieder das Symbol der „dünnen blauen Linie“ bei den Angreifern sah. Es ist eigentlich ein Zeichen der Unterstützung der häufig blau uniformierten US-Polizei, deren dünne Linie sich dem Verbrechen entgegenstellt.

Die „dünne blaue Linie“ der Polizei hielt dem Ansturm der Trump-Anhänger nicht stand. Julio Cortez/AP/dpa

Der Sturm war seinerzeit von Trump durch eine Rede angestachelt worden: Im Kapitol sollte am 6. Januar offiziell und endgültig der Wahlsieg Joe Bidens festgestellt werden. Trump behauptet bis heute ohne jeden Beweis, die Wahl sei gefälscht gewesen. 

535 Chaoten wurden nach dem Angriff festgenommen, es gibt bislang aber nur wenige Verurteilungen.

Wüster Parteienstreit um Ermittlungen

Um die Zusammensetzung des Kongress-Komitees hatte es im Vorfeld wüste Auseinandersetzungen zwischen Bidens Demokraten und Trumps Republikanern gegeben. Jetzt nehmen  nur zwei Republikaner teil, die Trump ablehnen, und sieben Demokraten.

Ein Versuch, Trump nachträglich des Amts zu entheben, war im Senat an mangelnder Zustimmung der Republikaner gescheitert.