Diese Moschee in Hamburg-Harburg soll der Terrorverdächtige regelmäßig besucht haben. dpa/Christian Charisius

Die Polizei in Hamburg hat womöglich einen islamistischen Anschlag verhindert. In einer Wohnung im Stadtteil Jenfeld seien im November „diverse Substanzen und Gegenstände“ gefunden worden, die für die Herstellung von Schwarzpulver und zum Bau eines Sprengsatzes geeignet gewesen wären, erklärte die Polizei am Freitag. Damals hatten die Ermittler demnach bereits seit längerer Zeit einen Verdächtigen im Visier.

Festnahme des Verdächtigen bei Waffenkauf

Am 26. August sei ein 20 Jahre alter Deutsch-Marokkaner vorläufig festgenommen worden, der versucht haben soll, im Darknet eine scharfe Schusswaffe und eine Handgranate zu kaufen. Der Staatsschutz hatte von diesem Kaufversuch erfahren, Spezialeinsatzkräfte nahmen Abdurrahman C. fest. Einen Tag später erging ein Haftbefehl gegen den 20-Jährigen. Ermittlungen hätten außerdem Hinweise darauf gegeben, dass er zwar in Wismar gemeldet sei, sich aber bei seinen Eltern in Hamburg aufhielt.

Sein Vater war laut Spiegel Mitverantwortlicher der Al-Quds-Moschee am Hamburger Steindamm, sie ist inzwischen von den Sicherheitsbehörden geschlossen worden.

Terrorverdächtiger informierte sich im Internet über Bombenbau

Schon am 26. August seien beide Wohnungen durchsucht worden, erklärte die Polizei weiter. Dabei seien unter anderem Propagandavideos islamistischer Gruppen und Unterlagen zur Herstellung von Waffen beschlagnahmt worden. Die Ermittlungen hätten außerdem ergeben, dass der 20-Jährige sich im Internet Anleitungen zum Bau einer Bombe angesehen habe. Darum habe die Zentralstelle Staatsschutz der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg das Verfahren übernommen.

Wenig später hätten die Ermittler herausgefunden, dass der Beschuldigte auch die auf seinen Cousin gemeldete Wohnung in Jenfeld nutzte. Dort wurden die Materialien gefunden, die zum Bombenbau geeignet waren – je ein Kilogramm Schwefel und Kaliumnitrat, ein halbes Kilogramm Kohlepulver, mehrere Hundert Schrauben und Muttern sowie Elektrodrähte.

Innensenator Andy Grote sprach auf einer Pressekonferenz von einem „sehr, sehr ernsten Vorgang“, den wir „so noch nicht hatten“. Die potenzielle Sprengkraft der Chemikalien sei geeignet gewesen, jedenfalls im Nahbereich, „erhebliche“ Zerstörungen anzurichten, sagte der SPD-Politiker.

Razzia bei Bekannten des Terrorverdächtigen

Nach weiteren Ermittlungen im Umfeld habe der Staatsschutz 17 Durchsuchungsbeschlüsse bei nicht verdächtigen Bekannten des 20-Jährigen in verschiedenen Bundesländern erwirkt. Die Wohnungen der Betreffenden seien am Mittwoch durchsucht worden. Dabei seien Beweismittel wie Smartphones, Computer und Datenträger beschlagnahmt worden. Derzeit berate der Staatsschutz mit dem Generalbundesanwalt, ob dieser „vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse“ das Verfahren übernehmen könne, hieß es weiter.