Draußen ist kein Schnee, aber drinnen: Im Londoner Parlamentsgebäude wurden an vielen Stellen Kokainspuren entdeckt. PA Media/dpa/Andrew Matthews

Leise rieselt der Schnee ... Im britischen Unterhaus zu Füßen von Big Ben sind in Toiletten Kokainspuren entdeckt worden. Das Parlament will jetzt deshalb die Polizei einschalten. Der Bericht sei besorgniserregend, sagte der Sprecher des Unterhauses, Lindsay Hoyle. Er werde das Thema in dieser Woche bei der Metropolitan Police zur Sprache bringen.

Der Sunday Times zufolge waren bei Tests mit speziellen Tüchern an elf Stellen, die nur für akkreditierte Abgeordnete, Mitarbeiter und Journalisten zugänglich sind, Kokainspuren gefunden. Darunter auch in einem „Waschraum“, wie Toiletten in Britannien gern verschämt genannt werden, in der Nähe des Parlamentsbüros von Premierminister Boris Johnson.

Die Vorwürfe tauchten zeitgleich mit der Bekanntgabe der neuen Strategie der Regierung zur Bekämpfung von Drogenmissbrauch und -kriminalität auf.

Skandal kam auf, als die Regierung ein Anti-Drogen-Paket vorstellte

In den Plänen der Regierung werden mehr Mittel für die Behandlung von Süchtigen sowie ein hartes Vorgehen der Polizei gegen Drogenhändler gefordert. Die Regierung plant auch, Freizeitdrogenkonsumenten ins Visier zu nehmen, um die Nachfrage nach Betäubungsmitteln zu unterbinden, unter anderem durch die Kontaktaufnahme mit Kunden, deren Daten in beschlagnahmten Telefonen von Drogenhändlern gefunden wurden. Ihnen soll „eine Reihe Botschaften geschickt werden, um sie vom Drogenkonsum abzuhalten“.

Der für die Polizei zuständige Staatssekretär Kit Malthouse sagte, die Berichte über Drogenkonsum im Parlament seien nicht überraschend. „Es gibt offensichtlich mehrere Tausend Menschen, die in dem Anwesen arbeiten“, sagte er einem Fernsehsender. „Ich wäre überrascht, wenn es unter ihnen nicht einige Konsumenten von Lifestyle-Drogen gäbe.“

Der Bundestag hatte auch seinen Kokain-Skandal

In Deutschland hatte es vor 21 Jahren große Aufregung gegeben, nachdem in der SAT.1-Sendung AKTE über Kokainspuren im Bundestag berichtet hatte. Deren Moderator Ulrich Meyer ereilte ein Hausverbot, das jedoch vom Gericht gekippt wurde. Bei Wisch-Tests war an 22 von 28 Örtchen die Droge festgestellt worden.