Migranten sitzen an der belorussisch-polnischen Grenze fest. Foto: Imago/SNA

Die polnische Regierung verweigert regierungsunabhängigen Medizinern weiterhin die Versorgung von Migranten an der EU-Außengrenze zu Belarus, die zu Tausenden dort festsitzen. Wie ein TV-Sender  berichtete, scheiterte auch ein Vermittlungsversuch des höchsten Würdenträgers der sonst einflussreichen katholischen Kirche. Wojciech Polak, der Erzbischof von Gnesen und Primas von Polen, habe auf seinen Brief an Innenminister Mariusz Kaminski eine negative Antwort bekommen, teilte die Hilfsorganisation „Mediziner an der Grenze“ („Medycy na Granicy“) mit. Der Minister habe erklärt, kein Interesse an einem Gespräch mit der Hilfsorganisation zu haben.

Die Organisation bemüht sich seit Wochen um Zugang zu den an der Grenze zwischen Belarus und Polen gestrandeten Menschen. „Wir wissen, dass dort Dutzende Menschen dringend medizinische Hilfe benötigen. Wir wissen von mehreren Todesfällen und wir wissen, dass es noch mehr Opfer geben wird, wenn die medizinische Hilfe weiter blockiert wird“, hatten die nach eigenen Angaben derzeit 42 medizinisch ausgebildeten Freiwilligen schon vor einer Woche in einem Aufruf erklärt, den die regierungskritische Zeitung „Gazeta Wyborcza“ veröffentlichte.

„Ausnahmezustand“ an der Grenze

Auch der staatliche Grenzschutz verweigere eine Zusammenarbeit mit ihnen unter Verweis auf den geltenden Ausnahmezustand, teilte die Organisation am Sonntag mit. Seit 2. September gilt ein Ausnahmezustand in den polnischen Grenzgemeinden zu Belarus. Mit dem Zutrittsverbot für Menschenrechtsorganisationen und Journalisten will die polnische Regierung verhindern, dass Migranten von polnischer Seite aus beim Grenzübertritt unterstützt werden. Die polnischen Behörden beschuldigen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen.