Die 22-jährige Dichterin Amanda Gorman. Foto: imago images/UPI Photo

Washington - Sie war der eigentliche Star bei der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden: Amanda Gorman. Die 22-jährige Poetin las ein Gedicht vor, in dem sie ihre eigene Lebensgeschichte mit der harten sozialen Realität Amerikas verwob, und sorgte damit für einen der wohl meistdiskutierten Auftritte rund um die Amtseinführung.

In den sozialen Medien brachte ihr das viele Reaktionen und Lob ein. „An einem Tag für die Geschichtsbücher präsentierte Amanda Gorman ein Gedicht, das mehr als nur den Moment traf“, schrieb etwa der frühere US-Präsident Barack Obama auf Twitter. Die Unternehmerin und Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey schrieb: „Ich war nie stolzer, eine weitere junge Frau aufsteigen zu sehen!“

In einem auffällig gelben Mantel, mit rotem Haarreifen und aussagekräftiger Gestik las Gorman am Mittwoch ihr eigens für diesen Anlass verfasstes Werk „The Hill We Climb“ (auf Deutsch etwa: Der Hügel, den wir erklimmen) vor. Es handelt von den schweren Zeiten, die die USA durchgestanden haben und noch durchstehen müssen – aber auch von Hoffnung für die Zukunft.

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„The Hill“ - so wird in den USA auch das Kapitol bezeichnet, auf dessen Stufen sie ihr Gedicht vortrug und das erst vor zwei Wochen von einem wütenden Mob von Trump-Anhängern gestürmt wurde. Auch diesen Umstand adressiert Gorman in ihrem Werk gezielt. „We’ve seen a force that would shatter our nation, rather than share it. Would destroy our country if it meant delaying democracy“, auf Deutsch: „Wir haben eine Kraft gesehen, die unsere Nation zerstören wollte, anstatt sie miteinander zu teilen. Die unser Land zerstören wollte, indem sie die Demokratie aufhalten wollte.“

Amanda Gorman ist in Los Angeles aufgewachsen, als Kind einer alleinerziehenden Mutter, einer Lehrerin. Mit 16 erhielt sie den ersten Lyrikpreis, ein paar Jahre später – da studierte sie schon Soziologie in Harvard – wurde sie nationaler Youth Poet Laureate. Sie hat ein Buch veröffentlicht.

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Amanda Gorman trat neben Lady Gaga und Jennifer Lopez auf, die an ein Millionenpublikum gewöhnt sind. Aber der Mut, den sie für ihren Auftritt brauchte, ist noch viel größer, als man vermuten würde. Sie hat einen Sprachfehler, hat lange vor allem mit dem Buchstaben R gekämpft. Ihre selbstbewusste Ankündigung, sie werde 2036 für das Präsidentenamt kandidieren, ist möglicherweise ernst zu nehmen.