Eine Bewohnerin eines Pflegeheims in Düsseldorf: Bedürftige in Nordrhein-Westfalen müssen für die Betreuung am meisten aus eigener Tasche zuzahlen. Foto: Marcel Kusch/dpa

Für Pflegebedürftige wird die Betreuung im Heim immer teurer und teurer. Im bundesweiten Schnitt stiegen die selbst zu zahlenden Anteile jetzt über die Marke von 2000 Euro im Monat, wie Daten des Verbands der Ersatzkassen mit Stand 1. Juli ergeben. Durchschnittlich 2015 Euro sind demnach fällig, 124 Euro mehr als Mitte 2019. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede. Angesichts der erneuten Kostensprünge wächst der Druck auf Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), für Entlastungen zu sorgen – die Corona-Krise hat eine Pflegereform zuletzt ausgebremst.

Am teuersten sind Heimplätze weiterhin in NRW mit Zuzahlungen von durchschnittlich 2405 Euro und am günstigsten in Sachsen-Anhalt mit 1436 Euro. Berlin liegt mit 1990 Euro bundesweit auf Platz 7. In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen zudem noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie für Investitionen in den Heimen dazu.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will im Herbst eine Pflegereform angehen. Foto: Imago Images/photothek

Der rein pflegebedingte Eigenanteil liegt nun im bundesweiten Schnitt bei 786 Euro im Monat (1. Juli 2019: 693 Euro). Spitzenreiter bleibt Baden-Württemberg mit jetzt durchschnittlich 1062 Euro Eigenanteil. Es folgen Berlin mit 992 Euro und Bayern mit 938 Euro. Deutlich weniger sind es in Thüringen mit 490 Euro und in Sachsen-Anhalt mit 560 Euro.

Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung legten deutlich zu: Im Bundesschnitt liegen sie bei 774 Euro nach 747 Euro Mitte 2019. Dabei reicht die Spanne von 588 Euro in Sachsen-Anhalt bis 1036 Euro in NRW. Die Zuzahlungen für Investitionen in den Einrichtungen stiegen im Bundesschnitt von 451 Euro auf jetzt 455 Euro.

Für ihre Versorgung müssen Senioren und Seniorinnen jedes Jahr höhere Zuzahlungen leisten. Foto: Imago Images/Panthermedia

Spahn will die Debatte über eine grundlegende Pflegereform im Herbst neu starten. Dann soll auch klar sein, wie sich die Pandemie auf die Sozialkassen auswirkt. Auf dem Tisch liegen schon diverse Vorschläge – und das Problem wird eher noch größer. In der alternden Gesellschaft werden mehr Menschen Pflege in Anspruch nehmen. Nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Zahl der Leistungsempfänger allein von 2018 auf 2019 um fast 200.000 auf 3,9 Millionen gestiegen. Die Ausgaben wuchsen um 2,5 Milliarden Euro auf 40,7 Milliarden Euro.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte Tempo an. „Viele der 818.000 Heimbewohner gehen finanziell schon lange auf dem Zahnfleisch“, so Vorstand Eugen Brysch. „Pflege macht arm, und Spahn schaut zu“, bringt es Linke-Chef Bernd Riexinger auf den Punkt. Kordula Schulz-Asche (Grüne) forderte, den Trend ständig steigender Eigenanteile endlich zu stoppen. Diese sollten gesenkt und dauerhaft gedeckelt werden. Nicole Westig (FDP): „Dass Bewohner von Pflegeheimen durch Umlagen für Investitionskosten und sogar für die Ausbildung belastet werden, ist nicht länger hinnehmbar.“