Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen dpa/Kay Nietfeld

Der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weht kalter Wind entgegen. Der  Medienwissenschaftler Stefan Weber wirft ihr vor, in ihrem Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ abgeschrieben zu haben. Der Vorgang dürfte den Grünen, die in den Umfragen beständig verlieren, weiter Schaden zuzufügen. In der aktuellsten des Forsa-Instituts, die vor den Plagiatsvorwürfen entstand, verloren sie wieder einen Prozentpunkt auf 20 Prozent während die Union auf 30 Prozent zulegte.

In einem Blogbeitrag legt Weber Baerbock zur Last, dass etliche Formulierungen aus dem Buch, das mit Hilfe des Autors Michael Ebmeyer entstand, nicht von ihr stammten, nicht oder kaum verändert aus anderen Publikationen oder Wikipedia abgeschrieben wurden. „Und wenn man es genau nimmt, handelt es sich auch um mehrere Urheberrechtsverletzungen.“

Weber weist zwar selbst darauf hin, dass es sich bei dem Buch nicht um eine Doktorarbeit handele. Dennoch, so schreibt er über das Fehlen jedweder Quellenangaben, sei das „noch lange keine Legitimation für schwerwiegende Textplagiate. Textplagiate (...) wurden auch bereits in Sachbüchern zurecht bemängelt.“ 

Parteisprecher, Anwalt und Verlag bestreiten Urheberrechtsverletzungen

Der Österreicher Weber, der sich bereits seit Mai auch mit Ungenauigkeiten im Lebenslauf Baerbocks befasst hat, zählt in seinem Beitrag mehrere Textpassagen mit Parallelen zu anderen Veröffentlichungen auf. Als Beispiele führt Weber unter anderem Beiträge des US-Politikwissenschaftlers Michael T. Klare, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Spiegel an.

Weber versuche, „bösartig“ Baerbocks Ruf zu schädigen, sagte ein Grünen-Sprecher, das ist der „Versuch von  Rufmord“. Der von Baerbock eingeschaltete Medienanwalt Christian Schertz erklärte: „Ich kann nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung erkennen, da es sich bei den wenigen in Bezug genommenen Passagen um nichts anderes handelt, als um die Wiedergabe allgemein bekannter Fakten sowie politischer Ansichten.“

Der Ullstein-Verlag, bei dem das Buch erschienen war, teilte mit: „Wir können keine Urheberrechtsverletzung erkennen.“

Plagiatsjäger will auch Baerbocks Masterarbeit sehen

Weber lässt aber nicht locker: Der Neuen Zürcher Zeitung sagte er, er habe bei der London School of Economics beantragt, Baerbocks Masterarbeit von 2005 einsehen zu dürfen.