Die beiden Tunnel-Aktivisten «Pinky» und «Brain» harren trotz der Räumung von Lützerath aus.
Die beiden Tunnel-Aktivisten «Pinky» und «Brain» harren trotz der Räumung von Lützerath aus. Twitter/LuetziBleibt

Die heftig umstrittene Räumung des für den Braunkohle-Abbau bestimmten Ortes Lützerath in NRW ist abgeschlossen, verkündete die Polizei, doch einige Demonstranten narren die Polizei weiter und verhindern, dass die Arbeiten des Energiekonzerns vorankommen. Mit ihrer riskanten Aktion sorgen die beiden Aktivisten „Pinky“ und „Brain“ auch für einen anarchischen Unterhaltungswert: Ein Internet-Video geht viral, das die beiden Tunnel-Revoluzzer maskiert in einer absurden Deko zeigt: Neben ihnen ein Blumenstrauß, im Vordergrund ein antiquiertes Kabel-Telefon und die beiden, als säßen sie auf der Wohnzimmer-Couch.

Auch vier Tage nach Beginn der Räumung von Lützerath harren zwei Klimaaktivisten noch in einem unterirdischen Tunnel aus. Wie lange es dauern werde, sie dort rauszuholen, sei völlig unklar, sagte am Sonntag ein Sprecher des Energiekonzerns RWE, dessen Werkfeuerwehr die als „Rettung“ bezeichnete Aktion übernommen hat. Die Feuerwehr kontrolliere an dem Schacht regelmäßig ein Belüftungsgerät. Eine Sprecherin der Aktivistengruppe „Lützerath lebt“ sagte am Sonntag, der Zustand der beiden Aktivisten sei stabil.

Auch Aachens Polizeipräsident Weinspach stieg in den Schacht, traute sich aber nicht nach ganz unten

Polizeikräfte stehen in Lützerath vor dem Gebäude, in dem sich der Eingang zu dem Tunnel befindet. Die Lüftungsanlage sorgt dafür dass den zwei Klimaaktivisten nicht der Sauerstoff ausgeht.
dpa/Federico Gambarini
Polizeikräfte stehen in Lützerath vor dem Gebäude, in dem sich der Eingang zu dem Tunnel befindet. Die Lüftungsanlage sorgt dafür dass den zwei Klimaaktivisten nicht der Sauerstoff ausgeht.

Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach war am Freitag selbst in den Schacht hineingestiegen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Es ist ein Kellergewölbe, aus dem ein Schacht von vier Metern geht, dann eine Konstruktion in der Waagerechten“, sagte er anschließend. Er sei aber nicht ganz unten im Schacht gewesen, sondern nur oben, wo es noch halbwegs gefahrlos möglich sei. „Die Konstruktion ist nicht sicher“, war sein Eindruck. „Das, was wir gesehen haben für Zug- und Abluft, ist nicht geeignet, dort dauerhaft Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, dass der CO2-Gehalt nicht zu sehr ansteigt.“ Die Feuerwehr übernehme aber ständig Messungen.

Am Donnerstag hatte ein auf der Plattform Youtube eingestelltes Video zweier vermummter Männer Aufsehen erregt. „Pinky“ und „Brain“ geben darin an, sich in dem Tunnel unter Lützerath aufzuhalten. Ein Polizeisprecher sagte, man habe Hinweise, dass das Video authentisch sei.

Lützerath-Aktivist „Pinky“ erklärt seelenruhig, wie schwer es sei, den Tunnel zu räumen

Der Tunnel sei eine sehr effektive Verteidigungsform gegen eine Räumung, sagte „Pinky“ in dem Video. „Das Sinnvolle daran ist halt, dass es viel schwieriger ist, einen Tunnel zu räumen als jetzt ein Baumhaus, weil erstens man weiß halt nicht genau, wo die Menschen sich befinden. Die Polizei an der Oberfläche weiß nicht, wo die Menschen im Tunnel drin sind. Und außerdem werden halt die ganzen Gänge mit Türen verbarrikadiert und so. Das heißt, einfach reinkommen, das geht viel schwieriger.“

„Brain“ ergänzte, es gehe darum, die Räumung so lange hinauszuzögern, dass andere Aktivisten oben noch Unterstützer mobilisieren könnten, so dass die Räumung vielleicht noch gestoppt werden könne. „Dafür braucht es einfach viel Zeit, und die hoffen wir mit diesem Projekt ein bisschen zu gewinnen.“