Andy Grote (SPD), Innen- und Sportsenator in Hamburg, steht wegen „Pimmel-Gate“ am Pranger. dpa/Christian Charisius

Darf man eine Hausdurchsuchung anleiern, nur weil man auf Twitter als „Pimmel“ bezeichnet wurde? Darüber streitet gerade das Netz. Denn nachdem Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) wegen einer Äußerung auf Twitter als „Pimmel“ verunglimpft wurde, hat die Polizei die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte die am Mittwochmorgen in Hamburg-St. Pauli abgeschlossene Aktion. „Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht Hamburg einen Durchsuchungsbeschluss erlassen“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag in Hamburg. „Ziel war es, herauszufinden, wer konkret Zugriff auf einen bestimmten Twitter-Account hat, von dem aus die Beleidigungen veröffentlicht wurden.“

Kritik an Feiern im Schanzenviertel

Hintergrund ist der Kommentar eines Nutzers unter einem Tweet von Grote nach Feiern ohne Abstand im Schanzenviertel. Grote hatte Ende Mai darin geschrieben: „In der Schanze feiert die Ignoranz! Manch einer kann es wohl nicht abwarten, dass wir alle wieder in den Lockdown müssen … Was für eine dämliche Aktion!“ Darunter hatte ein User Grote als „Pimmel“ bezeichnet.

Kritik an „unverhältnismäßiger“ Razzia

Schon am Mittwoch trendete das Thema mit dem Hashtag #Pimmelgate bundesweit. Auslöser war ein Tweet, der auf die Durchsuchung am Morgen hingewiesen hatte. Am Donnerstag lag der Post mit 10.300 Tweet auf Platz 1 der Twitter-eigenen Deutschland-Trends. In vielen Tweets wird der Einsatz als unverhältnismäßig kritisiert. Grote selbst reagierte auf Twitter selbst zunächst nicht. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Der Staatsanwaltschaft zufolge sind Durchsuchungen nach Beleidigungen im Internet in Hamburg nicht unüblich. In 2021 sei bereits eine mittlere zweistellige Zahl von entsprechenden Beschlüssen erlassen worden.