Ein Tablett mit Impfflächen der Firma Biontech/Pfizer. Die Lieferungen werden demnächst gekürzt.  Foto: dpa/Matthias Bein

Der US-Pharmagigant Pfizer hat nach Angaben der norwegischen Behörden vor anstehenden Lieferkürzungen bei dem gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus gewarnt. „Die vorübergehende Kürzung wird alle europäischen Länder betreffen“, erklärte am Freitag das staatliche Gesundheitsinstitut in Oslo. Die Kürzungen würden „ab kommender Woche“ erfolgen, hieß es.

Pfizer teilte mit, die Produktionsanlagen würden ausgebaut, um mehr Impfdosen herzustellen. Dies werde aber vorübergehende Auswirkungen auf die Lieferungen Ende Januar bis Anfang Februar haben. Im Werk im belgischen Puurs könne es bei Aufträgen und Lieferungen daher zu Schwankungen kommen. Ende Februar und März stünde dann mehr Impfstoff zur Verfügung.

Grund ist Ausbau der Produktionsstätten

„Es ist derzeit nicht klar, wie lange es genau dauern wird, bis Pfizer seine maximale Produktionskapazität erreichen wird, die von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Dosen jährlich steigen soll“, hieß es in der Erklärung weiter. Angaben über die Liefermengen für ganz Europa wurden nicht gemacht, nur für Norwegen: Demnach werden für das skandinavische Land in der kommenden Woche nur 36.075 Impfstoffdosen erwartet, zuvor waren es 43.875. Dies entspricht einem Minus von fast 18 Prozent.

„Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern nehmen diese sehr kurzfristige wie unerwartete Mitteilung der Kommission und von Pfizer mit Bedauern zur Kenntnis“, hieß es am Freitag dazu aus Deutschland von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums. Umso mehr, da es verbindlich vom Unternehmen zugesagte Liefertermine bis Mitte Februar gegeben hatte.

Von der Kürzung noch nicht betroffen ist demnach die für kommenden Montag geplante nächste Lieferung an Deutschland, die nach den bisherigen Plänen rund 670.000 Impfdosen umfassen sollte. Auch die Gesamtmenge der geplanten Lieferungen im ersten Quartal bleibe bestehen.

Für Deutschland waren für das erste Quartal elf Millionen Impfdosen angekündigt gewesen. Durch die Nutzung von sechs statt fünf Dosen pro Ampulle sollte sich diese Anzahl aber erhöhen.

Wie groß nun die Lieferausfälle in den kommenden Wochen ausfallen dürften, teilte das Gesundheitsministerium zunächst nicht mit.

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Der Impfstoff von Biontech und Pfizer war als erstes Vakzin gegen das Coronavirus in der Europäischen Union (EU) zugelassen worden. Er wird bereits weitflächig eingesetzt. Als zweiter Impfstoff erhielt inzwischen auch das Mittel des US-Herstellers Moderna eine europaweite Zulassung, der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft.

Impfungen sind derzeit der Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Zahl der Corona-Infektionen in Europa hatte laut einer AFP-Zählung am Freitagmorgen die Schwelle von 30 Millionen überschritten.