Die Möbelbranche ist über steigendes Kundeninteresse wegen der reduzierten Mehrwertsteuer erfreut. Foto: Henning Kaiser/dpa

Düsseldorf - Der große „Wumms“ blieb aus: Einen Monat nach der Senkung der Mehrwertsteuer überwiegen im  Einzelhandel Zweifel am Nutzen. Die Senkung soll helfen, die coronageschwächte Wirtschaft anzukurbeln. Bei einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) bewerteten freilich nur 13 Prozent der Unternehmen abseits des Lebensmittelhandels die Steuersenkung als  wirksame Hilfe zur Konsum-Belebung. Doch gibt es Branchen-Unterschiede.

Den Wumms-Begriff  hatte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) Anfang Juni geprägt: „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen.“ Dazu wurde dann die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt, bei Lebensmitteln von 7 auf 5.

Laut Rolf Pangels vom Handelsverband Textil (BTE) geht die Steuersenkung bei den 30, 40 oder 50 Prozent Rabatt, die im sommerlichen Modehandel üblich seien, einfach unter. Hinzu komme, dass sie eher bei teuren, eleganten Kleidungsstücken nennenswerte Vorteile bringe. Doch gerade die würden in Corona-Zeiten wegen des Ausfalls vieler Veranstaltungen und des Trends zum Homeoffice kaum gekauft.

Positiver fällt das Urteil in der Möbelindustrie aus. Wenn sie bei einer Küche ein paar Hundert Euro sparen können, macht sich das bemerkbar, sagt Jan Kurth vom Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM). Der Auftragseingang  habe sich kräftig erhöht. Verbraucher wollten es sich in der Corona-Krise zu Hause gemütlich machen und viele hätten Geld, da mancher Urlaub ausgefallen sei.

Im Elektronikhandel sieht man noch keine Effekte - und wenn, dann nur bei teuren Geräten. Foto: picture alliance / dpa

Bei Elektronik- und Hausgerätehändlern überwiegt Skepsis. „Wir haben noch keine gesicherten Informationen, dass sich irgendetwas bewegt hat“, sagt Joachim Dünkelmann vom Handelsverband Technik (BVT). Bei teuren Produkten könne die Steuersenkung zwar Kaufimpulse geben. Doch werde es sich in vielen Fällen wohl nur um vorgezogene Einkäufe handeln.  

Der Lebensmittelhandel brauchte keinen Rückenwind. Dennoch hatte die Steuersenkung gerade hier bisher die größten Auswirkungen. Sie löste einen massiven Preiskampf aus. Discounter senkten die Preise über die geringere Steuer hinaus. Die Steuersenkung sei hier aber nur Auslöser, nicht Grund des Preiskampfs, heißt es bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Der Handel präsentiere sich als günstig, weil er  schmalere Portemonnaies bei den Kunden erwarte.

GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl  hält die Mehrwertsteuersenkung nicht grundsätzlich für einen Fehler. Nach der jüngsten Studie der Marktforscher helfe sie bei der Erholung der Konsumstimmung. „Händler und Hersteller müssen sich aber darauf einstellen, dass sich die Konsumneigung wieder zurückbilden könnte, wenn ab Januar 2021 der ursprüngliche Mehrwertsteuersatz gilt.“