Bei Krankenpflegern ist die Fachkräftelücke mit am größten. dpa/Frank Molter

In Deutschland herrscht in Dutzenden Berufen Personalmangel. „Insgesamt werden derzeit etwa 1,2 Millionen Arbeitskräfte, davon zwei Drittel Fachkräfte, gesucht“, warnte Detlef Scheele, Chef der Bundesagentur für Arbeit, in der Zeitung Welt am Sonntag. In etwa 70 Berufen gebe es bereits Personalengpässe auf „Fachkraftniveau“.

Am größten ist der Fachkräftemangel im Bereich der Sozialpädagogik, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab. Dort liegt die sogenannte Fachkräftelücke bei 18.300 Sozialpädagogen, berichtet Welt am Sonntag weiter. Dabei handelt es sich um die Differenz aus Stellenausschreibungen und Arbeitssuchenden mit einem passenden Profil. Ähnlich groß ist die Lücke demnach bei Altenpflegern (17.900) und Krankenpflegern (16.700).

Fachkräftelücke im Sozialbereich am größten

Auf der Liste mit insgesamt 15 Berufen stehen unter anderem auch Bauelektriker (15.500), Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker (13.200) sowie Lkw-Fahrer (6700). Die absoluten Zahlen an fehlenden Kräften dürften demnach noch erheblich höher sein.

Zur Bekämpfung des Fachkräftemangels fordert der Mittelstand dringend mehr Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland. „Immer mehr Unternehmen aller Branchen finden derzeit weder Fachkräfte noch Azubis. Das gefährdet elementar die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands und damit des Standorts Deutschland insgesamt“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir brauchen die gezielte Einwanderung von Fachkräften.“

Firmen müssen wegen Fachkräftemangel Aufträge ablehnen

Viele Unternehmen müssten demnach bereits mangels Fachkräfte Aufträge ablehnen, sagte Jerger. Bei den Auszubildenden sehe es nicht besser aus. „Es gibt in Deutschland mehr als 390 anerkannte Ausbildungsberufe, und in nahezu allen fehlt es an neuen Auszubildenden.“ So konnten Jerger zufolge zum Start des Ausbildungsjahres 2020 fast 60.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden.

Einer weiteren Studie des IW zufolge mangelt es allerdings auch an der professionellen Rekrutierung von Fachkräften in Unternehmen. „Nur 32,4 Prozent aller Unternehmen betreiben eine ausgeprägt strategische Personalarbeit“, ergab eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des IW Köln unter 1433 Unternehmen. Je kleiner die Betriebe, desto weniger sei die Personalarbeit ausgebaut.