Eine Zeichnung aus dem Gerichtssaal zeigt die Angeklagten Mohamed Bakkali (L), Oussama Atar (M) und Salah Abdeslam (R).  Salah Abdeslam wurde am Mittwoch zur Höchststrafe verurteilt.
Eine Zeichnung aus dem Gerichtssaal zeigt die Angeklagten Mohamed Bakkali (L), Oussama Atar (M) und Salah Abdeslam (R).  Salah Abdeslam wurde am Mittwoch zur Höchststrafe verurteilt. AFP/Benoit Peyrucq

Im historischen Prozess zu den Pariser Anschlägen von 2015 haben die Richter am Mittwoch die Höchststrafe für den Hauptangeklagten Salah Abdeslam (32) verhängt. Das Pariser Sondergericht verhängte eine lebenslange Freiheitsstrafe, die so gut wie nicht verkürzbar ist. Abdeslam wird damit der fünfte Angeklagte überhaupt, der in Frankreich zu dieser Strafe verurteilt wird.

Von den insgesamt 20 Angeklagten wurden 19 in allen Punkten schuldig gesprochen. Das Strafmaß reicht von zwei Jahren bis lebenslang.

Das Gericht sprach Abdeslam als „Mittäter“ schuldig. Abdeslam sei mitverantwortlich für die „Morde im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung“, sagte der Vorsitzende Richter Jean-Louis Périès. Das Gericht gehe davon aus, dass der Sprengstoffgürtel Abdeslams nicht funktionsfähig gewesen sei. Dies stelle die Aussagen Abdeslams in Frage.

Abdeslam hatte vor Gericht erklärt, er habe „aus Menschlichkeit“ darauf verzichtet, den Sprengstoffgürtel zu zünden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, seine Rolle herunterspielen zu wollen. Die Anklage sah in dem Franzosen Abdeslam  eine Schlüsselfigur der Anschläge. Sein älterer Bruder Brahim gehörte zu den Attentätern, die sich in einer Bar in die Luft sprengten. Die beiden waren in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek aufgewachsen, die als Rückzugsort radikaler Islamisten bekannt ist. Salah Abdeslam arbeitete als Mechaniker, hatte Aushilfsjobs und kam 2011 wegen versuchten Diebstahls in Haft.

Er fuhr eines der drei Terrorkommandos zum Stade de France

Abdeslam hatte eines der drei Terrorkommandos zum Stade de France gefahren. Er hatte selber einen Sprengstoffgürtel, den er später wegwarf. Er hatte sich dann aus Paris abholen und nach Belgien fahren lassen.

Dieses von der belgischen Polizei stammende Foto aus dem Jahr 2016 zeigt Salah Abdeslam.
Dieses von der belgischen Polizei stammende Foto aus dem Jahr 2016 zeigt Salah Abdeslam. Ap/dpa/Belgian Federal Police

Bei den Terroranschlägen im November 2015 hatten die Täter ein Massaker im Konzertsaal „Bataclan“ angerichtet, Bars und Restaurants mitten in Paris beschossen. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft. Die Extremisten hatten im Namen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bei ihrer verheerenden Serie von Terroranschlägen 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt.