Gut gelaunt mit anderen Geistlichen, aber eben doch im Rollstuhl: Der Papst erschien zuletzt hinfällig. Vatican Media

Es ist nur eine Ankündigung von Papst Franziskus. Er will im August die kleine Stadt L'Aquila besuchen. Doch das reicht schon aus, Spekulationen über die Zukunft des Kirchenoberhauptes weiter zu schüren. Plant der Pontifex etwa seinen Rücktritt? Denn der Zeitpunkt der Reise gilt als ungewöhnlich, und das Fest, das Franziskus dort in den zentralitalienischen Abruzzen mitfeiern will, geht auf seinen mittelalterlichen Vorgänger Coelestin V. zurück, der noch zu Lebzeiten den Heiligen Stuhl räumte.

Er wäre erst der dritte Papst, den nicht der Tod aus dem Amt holt

Immer wieder wurde zuletzt in Italien gemutmaßt, dass sich der Papst mit Gedanken an eine ähnliche Entscheidung wie Coelestin 1294 nach nur fünf Monaten Amtszeit oder vor neun Jahren Benedikt XVI. tragen könnte. Mit Blick auf die Gesundheitsprobleme und Einschränkungen des 85-Jährigen wird jede Äußerung und jede Planung des Vatikans aufmerksam beobachtet und ausgelegt.

Die Spekulationen erhielten neues Futter, als der Papst für den 27. August ein Konsistorium anberaumte, und die Reise nach L'Aquila für den Tag darauf. Bei dieser Kardinalsversammlung sollen 21 neue Kardinäle bestellt werden. 16 davon sind jünger als 80 und damit wahlberechtigt, wenn ein neuer Papst gesucht werden muss. Insgesamt hat Franziskus dann 83 der 132 Kardinäle in wahlfähigem Alter ernannt.

Der päpstliche Kammerdiener Sandro Mariotti schiebt Franziskus im Rollstuhl aus dem Petersdom. Der Papst hatte dort die Predigt der Pfingstmesse gehalten. AP/Alessandra Tarantino

So könnte er die Weichen für seine Nachfolge stellen. Denn auch wenn nicht absehbar sei, wie die Kardinäle abstimmen würden, so erhöhten sich doch die Chancen auf einen künftigen Papst, der die Ziele und Prioritäten von Franziskus teilt.

Im Anschluss an das Konsistorium hat der Pontifex noch zwei Tage lang Gespräche über seine am Pfingstsonntag in Kraft getretene neue Vatikan-Verfassung eingeplant.  Dieses neue Grundgesetz des Vatikans namens „Praedicate Evangelium“ stellt den Verwaltungsapparat des Heiligen Stuhls neu auf.

Papst Franziskus will Frauen in Leitungsfunktionen des Vatikan

Es sieht unter anderem vor, dass Frauen künftig Einrichtungen der Kurie leiten dürfen. Auch definiert es Rom stärker als Dienstleister der Ortskirchen in aller Welt. Italienische Medien ordneten die Kurienreform als „wichtigstes Vermächtnis“ für die Nachfolger von Franziskus ein.

Franziskus hatte sein Amt 2013 mit dem Vorhaben angetreten, die römische Kurie zu reformieren. Mit der neuen Verfassung scheint die Aufgabe weitgehend bewältigt. Der Zeitpunkt für einen Rücktritt könnte also passen.

Aufmerksamkeit erregte nämlich nicht nur die Ankündigung von Konsistorium und Besuch in L’Aquila, sondern vor allem das Timing beider Termine. Denn üblicherweise ist im Vatikan ebenso wie in ganz Italien von August bis Mitte September Sommerpause.

Eine kurze Papst-Reise innerhalb Italiens, und alle werden nervös

Ausgerechnet in dieser Zeit eine wichtige Kirchenversammlung einzuberufen, seine Reformpläne zu diskutieren und einen symbolisch bedeutsamen Besuch in L’Aquila für den 28. August anzusetzen, also inmitten des Kardinalstreffens, könnte darauf hinweisen, dass der Papst Außergewöhnliches vorhabe.

Papst Benedikt XVI. legte sein Amt 2013 nieder: Hier verlässt er das Podium nach seiner letzten Generalaudienz auf dem Petersplatz. dpa/Michael Kappeler

Die Entscheidung seines Vorgängers Benedikt XVI. zum Rücktritt würdigte Franziskus vor neun Jahren als Türöffner für künftige Päpste, es ihm gleichzutun. Klare Signale, dass er jetzt das Amt aufgeben wolle, hat Franziskus allerdings keine gesandt. Dennoch mehren sich die Spekulationen angesichts der gesundheitlichen Probleme, zuletzt sah man Franziskus mehrmals im Rollstuhl.

Die Mutmaßungen seien aus der Luft gegriffen, erklärte Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, ein Freund und Berater des Papstes, kürzlich gegenüber der Website Religion Digital.

Kirchenkenner: Franziskus wird zurücktreten, aber erst, wenn Benedikt tot ist

Der Kirchenhistoriker Christopher Bellitto von der Kean University im US-Staat New Jersey erklärte hingegen, die meisten Vatikan-Beobachter rechneten mit einem Rücktritt von Franziskus – allerdings nicht jetzt, sondern frühestens nach dem Tod seines Vorgängers Benedikt, der mit 95 zehn Jahre älter ist. Er werde dem Vatikan nicht zwei ehemalige Päpste gleichzeitig zumuten wollen.