Vor allem in den Knotenpunkten ist die Infrastruktur alt und muss saniert werden.
Vor allem in den Knotenpunkten ist die Infrastruktur alt und muss saniert werden. dpa/Marcus Brandt

Was ist nur aus der Deutschen Bahn geworden? Das einstige Verkehrsrückgrat der Bundesrepublik ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Nun hat Bahnchef Richard Lutz die Erwartungen für das Jahr 2023 bereits gedämpft und angekündigt, dass die Bahn auch im kommenden Jahr ständig zu spät kommen wird.

„In diesem Jahr werden weniger als 70 Prozent der Fernzüge pünktlich sein“, sagte Konzernchef Richard Lutz dem „Tagesspiegel“. „Für 2023 haben wir uns deutlich über 70 Prozent vorgenommen.“ Das ist aber immer noch viel zu wenig, denn die Bahn hatte sich selbst ein Pünktlichkeitsziel von 80 Prozent gesetzt!

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Besonders Bahnknotenpunkte versauen der Bahn die Statistik

Schuld sollen laut Lutz vor allem die wichtigen Drehkreuze sein. Hier gäbe es zu viel Verkehr auf oftmals alten Gleisen. Vor allem in den „hoch belasteten Eisenbahnknoten“ Hamburg, Köln und Mannheim, auf den Strecken durchs Ruhrgebiet und zwischen Frankfurt und Fulda, kommt es immer wieder zu Verspätungen. 

Die Bahn will die stark belasteten Korridore deshalb in den kommenden Jahren generalsanieren. Doch dadurch wird das Problem wohl erstmal schlimmer, bevor es besser werden kann. Reisende müssen sich in den nächsten Jahren auf längere Totalsperrungen einstellen. Als erstes ist im Sommer 2024 die Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim betroffen. „Die Infrastruktur ist zu knapp, zu alt und zu störanfällig“, sagte Lutz.

Bahn stellt mehr Personal ein und stockt Zugbestände auf

Immerhin will der Staatskonzern aber zumindest bei einer Hauptursache für die Verspätungen gegensteuern: Die Bahn hat in diesem Jahr bereits mehr neue Mitarbeiter eingestellt als geplant. Statt 21.000 werden es am Jahresende 26.000 neue Beschäftigte sein. Auch 2023 will sich die Bahn personell weiter verstärken und mehr Züge einsetzen. Ende des Jahres sollen es 360 ICE-Züge sein, vor fünf Jahren waren es 270.

Seit der Bahnreform im Jahr 1994 sei der Personenverkehr um 40 Prozent gestiegen, der Güterverkehr sogar um 80 Prozent. Die Infrastruktur sei derzeit für dieses Wachstum aber nicht ausgelegt.

„Ich verstehe manchen Unmut“, sagte Lutz. „Von unseren eigenen Ansprüchen sind wir derzeit weit entfernt.“ Die aktuelle Qualität und Pünktlichkeit seien nicht akzeptabel.