Marco Wanderwitz (CDU) ist der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer. imago/Jürgen Heinrich

Die Impfkampagne in Deutschland stockt, auffällig niedrig sind die Quoten vor allem in Ostdeutschland. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), warnt deshalb vor einer besonders heftigen Corona-Infektionswelle mit der Delta-Variante, die über die ostdeutschen Bundesländer hereinbrechen könnte. Und die Schuldigen sind für ihn auch Impfgegner aus den Reihen der AfD.

„Es gibt zwischen der hohen Zustimmung für die AfD und Impfablehnung einen klaren Zusammenhang. Er lässt sich nicht wegdiskutieren“, griff der CDU-Politiker in den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Rechtspopulisten an.

Vierte Corona-Welle wird Kliniken an ihre Grenzen bringen

Die allermeisten AfD-Funktionäre gingen aggressiv gegen das Impfen sowie gegen sämtliche Corona-Maßnahmen vor – „ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump“, ätzt Wanderwitz. Er gehe deshalb davon aus, „dass wir in Ostdeutschland im Herbst aufgrund der Delta-Variante eine Corona-Welle sehen werden, die das Gesundheitssystem erneut an seine Grenzen bringen wird“.

Sachsen ist Impf-Schlusslicht

Tatsächlich belegen bei den Erst- und Zweitimpfungen Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt in der Impfstatistik vor Bayern die letzten vier Plätze. Mecklenburg-Vorpommern und Berlin rangieren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mit 60,8/55,3 und 62,3/54,6 Prozent im Mittelfeld. Zum Vergleich: In Bremen sind 71,1 Prozent mindestens einmal und 65,2 Prozent vollständig geimpft.

Absolutes Schlusslicht ist Sachsen mit bisher erst 53 Prozent Erstgeimpften. Knapp 49,1 Prozent sind vollständig geimpft. Der Freistaat hat sich bereits vor Wochen von dem Ziel verabschiedet, die Herdenimmunität erreichen zu können.

AfD nutzt Impfungen als Wahlkampf-Thema

Dennoch soll es nach Auffassung von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel keine unterschiedlichen Regelungen für Geimpfte und Ungeimpfte geben: „Wir sind für die Freiheit für alle Bürger, egal ob geimpft oder ungeimpft“, sagte sie den Funke-Zeitungen und betreibt damit Wahlkampf zulasten des Impferfolgs in Deutschland. Mit Hygiene- und Abstandsregeln könne man schon sehr viel abfangen. Die Maßnahmen der Bundesregierung dagegen seien völlig überzogen.

Impfquote in Deutschland möglicherweise höher als bekannt

Schwacher Hoffnungsschimmer im zähen Ringen um höhere Impfquoten: Die Zahl der erstmals Geimpften in Deutschland könnte höher sein als offiziell gemeldet. Das RKI berichtete von einer Differenz zwischen offiziellen Meldezahlen und Umfrageangaben bei der Impfquote der unter 60-Jährigen.

Kommt jetzt die Volksbefragung zum Stand der Impfungen?

Laut RKI-Report legten Zahlen nahe, dass die Meldungen im sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) die Impfquoten unterschätzen. Die Daten stammen von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams, Arztpraxen und Betriebsmedizinern. Doch daneben werden beim RKI die Impfquoten auch anhand von Befragungen hochgerechnet. Und da fiel die Quote der mindestens einmal Geimpften „um einiges höher“ aus, besonders in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen.

Intensivmediziner und auch Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) fordern deshalb jetzt eine unabhängige, repräsentative Bevölkerungsumfrage zum tatsächlichen Stand des Impfens. „Verlässliche Zahlen sind die Basis für die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen“, mahnte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Sollte die Impfquote in der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen tatsächlich viel höher liegen als gemeldet, hätten wir gerade mit Blick auf den Herbst eine viel entspanntere Lage.“