Oskar Lafontaine hinterließ in der SPD und der Linkspartei Spuren. dpa/Oliver Dietze

Bereits im vergangenen Herbst kündigte Oskar Lafontaine an, seine politische Karriere zu beenden. Doch nun geht der 78-Jährige noch einen Schritt weiter: Er tritt aus der Linkspartei aus! Das verkündete der der ehemalige Parteivorsitzende selbst in seiner Heimatstadt Saarbrücken.

Lafontaine verlässt gekränkt die Linkspartei

„Ich wollte, dass es im politischen Spektrum eine linke Alternative zur Politik sozialer Unsicherheit und Ungleichheit gibt, deshalb habe ich die Partei Die Linke mitgegründet. Die heutige Linke hat diesen Anspruch aufgegeben“, heißt es in einer Erklärung Lafontaines.

Lafontaine, der 1990 noch Kanzlerkandidat der SPD war und acht Jahre später im Kabinett von Gerhard Schröder noch ein Jahr lang Bundesfinanzminister gewesen war, entzweite sich schon bald mit Schröder und letztendlich der ganzen Partei. 2005 zog er sich aus der SPD zurück und vereinte die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) mit der PDS zur Linkspartei, zu deren Vorsitzendem er 2007 gewählt wurde.

Mit seinem Austritt aus der Linkspartei kommt Lafontaine einem möglichen Parteiausschluss zuvor. Im Zuge des eskalierten Streits um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl im Saarland hatte Lafontaine dazu aufgerufen, die Partei nicht zu wählen. In den vergangenen Jahren hatte sich Lafontaine mit zahlreichen Äußerungen, die eher von der rchtspopulistischen AfD erwartet worden wären, von der Partei entfernt.

Linken-Spitze bedauert Parteiaustritt von Lafontaine

Dennoch haben die Partei- und die Fraktionsspitze der Linken den Parteiaustritt von Oskar Lafontaine bedauert. Als Gründungsvorsitzender und langjähriger Fraktionsvorsitzender habe Lafontaine bleibende Verdienste für die Partei, erklärten die Parteivorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler und die Fraktionschefs im Bundestag, Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch, am Donnerstag.

„Wir halten seinen Austritt für falsch und bedauern ihn.“ Angesichts der sich verschärfenden sozialen Ungleichheit, angesichts von Krieg und Aufrüstung werde eine starke Linke dringend gebraucht.

Lafontaine hatte zuletzt seine politische Karriere beendet

Soeben hat der Saarländer zudem seine politische Karriere beendet. Mit der Landtagswahl im Saarland am 27. März kehrt er nach mehr als 50 Jahren der aktiven Politik den Rücken. Zuletzt hatte er seit 2009 die Linksfraktion im saarländischen Landtag geführt. Am Mittwoch war er in seiner letzten Landtagssitzung mit reichlich Dankesworten verabschiedet worden.

„Oskar“, wie er im Saarland heißt, war fast alles, was man in einem politischen Leben in Deutschland werden kann: Oberbürgermeister von Saarbrücken, SPD-Landesvorsitzender, Ministerpräsident des Saarlandes (1985-1998), SPD-Kanzlerkandidat (1990), SPD-Bundesvorsitzender, Bundesfinanzminister, Mitgründer der Linkspartei und deren Partei- und Fraktionsvorsitzender im Bundestag.