Markus Söder trinkt Bier - beim politischen Online-Aschermittwoch ziemlich allein in der Passauer Dreiländerhalle war das nicht sehr vergnüglich. Foto: dpa/Peter Kneffel

Kein Bier, keine Blasmusik, keine johlenden Zuhörer – der gemeinhin bajuwarisch geprägte, weil 1919 in Vilshofen erfundene politische Aschermittwoch geriet in der coronabedingten Online-Version ein wenig distanziert. Keile gab's dennoch für den jeweiligen politischen Gegner, und besonders traf es einen Bayern, der eigentlich Franke ist – Ministerpräsident Markus Söder (CSU).  

Katharina Schulze, die Chefin der Grünenfraktion im Münchener Landtag, malte vom Pandemie-Politiker Söder ein Bild, das jeden erschaudern lässt, der mal Beifahrer war: „Er redet während der ganzen Fahrt, er bestimmt das Radioprogramm, dreht die Heizung mal rauf, mal runter, sagt sogar dem Navigationsgerät, wo es langgeht.“

Söder wünscht die AfD ins Dunkelland 

Söder hielt sich nicht lange bei den Grünen auf, machte sich  über Finanzminister Olaf Scholz (SPD) lustig, der Kanzler werden will, aber so gar keine „Stimmungskanone“ sei: „Er hat eher die Begabung, Blutdruck zu senken als ihn steigen zu lassen.“  An der AfD ließ Söder kein gutes Haar: „Wenn Sie die ‚Herr der Ringe‘-Saga kennen, wo wäre dann die AfD? Sie würde sich nur in Mordor wohlfühlen. Da würde sie hingehören.“ 

Friedrich Merz, der nicht zum CDU-Vorsitzenden gewählt worden war, bekam noch eine Kurz-Info über Buchstabenmagie: „In der CSU kann man nur was werden, wenn man ein ‚S‘ im Namen trägt. Strauß, Stoiber, Seehofer. In der CDU nur, wenn man ein ‚A‘ hat - Angela, Annegret, Armin. Das hätte man dem Friedrich vorher sagen sollen.“ Wie bescheiden, dass Söder in der S-Aufzählung seinen eigenen Namen wegließ ...

Die netten Orks aus Mordor (hier in einem Tolkien-Museum) – da wünscht Söder die AfD hin. Foto: dpa/Thomas Burmeister

Scholz, ganz nüchterner Norddeutscher, äußerte Mahnungen zu Solidarität, dass alles gut werde - und er wusste zu berichten, auch mal in Jogginghosen („sieht man ja nicht“) an Videokonferenzen teilzunehmen. Er gab Söder auch einen mit. Der hatte die finanzielle „Bazooka“  (Eigenlob Scholz von 2020) jüngst als „Steinschleuder ohne Stein“ verspottet. Scholz über die vielen Milliarden Euro, die zur Stützung der Wirtschaft als Kredit aufgenommen wurden: „Ich weiß ja, in Bayern ist vieles größer, aber dass die Steinschleudern ein solches Ausmaß haben, das hätte sicher niemand gedacht.“

Bodo Ramelow, linker Ministerpräsident Thüringen, lud Söder ins Höllental nahe der bayerischen Grenze ein: „Lass uns doch mal gemeinsam den Weg durch die Hölle gehen bis nach Jena, an den Bahnhof ‚Paradies‘. Und dort können wir umsteigen in die Straßenbahn – und die Straßenbahn fährt uns dann ins ‚Himmelreich‘. Mehr kann ich als Linker der CSU nicht anbieten.“ Aber ein schöner Appell für eine gemeinsame Pandemie-Politik.

Habeck: „Wir hühnern hier rum“

Dass die ihm nicht gefällt, machte Grünen-Chef Robert Habeck mit einer Wortschöpfung deutlich: „Wieso hat Großbritannien 15 Millionen Menschen geimpft und wir hühnern hier rum? Ich glaube, rumhühnern ist inzwischen der korrekte Fachbegriff dafür.“

FDP-Chef Christian Lindner hat das wahrscheinlich gefallen. Weniger froh ist er mit der grundsätzlichen Politik der Grünen - die seien sehr nachsichtig mit der Bundesregierung, die die Deutschen in den „Stubenarrest“ gesperrt habe. Das Verhalten vor der Wahl  wäre aber nachvollziehbar, seien die Grünen doch auf einer „Schleimspur“ unterwegs ins Kabinett.