Ein britischer Soldat am Steuer eines Tanklastwagens. Seit Anfang Oktober helfen die Streitkräfte bei der Versorgung von Tankstellen mit Treibstoff. PA Wire/dpa/Joe Giddens

Auch fast zwei Monate nach ihrem ersten Einsatz helfen britische Soldaten weiterhin bei der Belieferung von Tankstellen. Landesweit seien 210 Kräfte eingespannt, hieß es aus Regierungskreisen in London. Damit hat sich die Zahl der eingesetzten Armee-Angehörigen seit Beginn der „Operation Escalin“ nicht verringert. Ein Ende ist nicht absehbar.  

Das Militär hilft seit dem 4. Oktober aus. Hintergrund ist der eklatante Mangel an Lastwagenfahrern, der vor allem in London und Südostengland tagelang zu zahlreiche leeren Zapfsäulen geführt hatte. Hamster- und Panikkäufe spitzten die Lage zu, es kam  zu Schlägereien zwischen Wartenden. Einige Tankstellen gaben nur noch eine Höchstmenge aus. Zwar ist die Versorgungslage längst wieder im Griff, es gibt keine Schlangen an Tankstellen mehr. Allerdings fehlen nach wie vor Lkw-Fahrer. Deshalb werde es in der Vorweihnachtszeit einige Produkte nicht geben, hatten Verbände gewarnt.

Die Militäroperation war ursprünglich für einen sogenannten No-Deal-Brexit geplant worden - also einen Austritt aus der EU ohne Handelspakt mit Brüssel. Die Soldaten wurden von einer auf Kraftstofflogistik spezialisierten Firma geschult und von privaten Unternehmen eingesetzt. Das ist nicht kostenlos: Eine Arbeitsstunde kostet seit Ende Oktober 28,51 Pfund (33,70 Euro).

Auch in Deutschland und vielen anderen Ländern werden Lastwagenfahrer händeringend gesucht. Allerdings haben härtere Einwanderungsregeln nach dem Brexit die Lage im Vereinigten Königreich verschärft. Der Mangel wirkt sich auf weite Teile des öffentlichen Lebens in Großbritannien aus. Anders als in betroffenen EU-Staaten sind immer wieder Produkte nicht zu bekommen, Supermarktregale bleiben leer. Mittlerweile bieten Handelsketten hohe Löhne für Lastwagenfahrer, die Rede ist von 6000 Euro pro Monat und mehr.

Busse  in London: In Großbritannien wechseln viele Fahrer aus dem Bus in den Lastwagen.  dpa/Jens Kalaene

Deshalb wechseln Busfahrer zu Speditionen und sorgen damit wiederum für Engpässe im öffentlichen Personenverkehr. Die Gewerkschaft Unite erklärte unter Berufung auf eine Umfrage unter Mitgliedern, dass 99 Prozent aller Betriebe, in denen nachgefragt wurde, über Fahrermangel klagt. In der Hälfte der Busunternehmen seien 20 bis 40 Fahrer gegangen.

Unter dem Eindruck leerer Zapfsäulen und langer Schlangen vor Tankstellen genehmigte die britische Regierung schließlich Arbeitsvisa für bis zu 5000 ausländische Fahrer. Auf Anfrage wollte die Regierung nicht mitteilen, wie viele Menschen von der Regelung bisher Gebrauch gemacht haben. Britischen Medienberichten zufolge ist das Interesse aber äußerst gering.