Dichtes Gedränge im Bahnhof von Frankfurt am Main bei der Einfahrt eines ICE-Zuges. imago/Ralph Peters

Reihenweise fallen Züge aus, Fahrgäste haben mit Verspätungen zu kämpfen! Die Geduldsprobe für Kunden der Bahn geht weiter. Nach erheblichen Verkehrsproblemen am ersten Tag setzt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auch am Donnerstag ihren Streik unvermindert fort. Er soll bis in die Nacht zu Freitag dauern, doch die GDL droht mit weiteren Ausständen.

Mehrheit der Deutschen gegen Streik

Zwar konnte die Bahn nach ihrem Ersatzfahrplan auch am Donnerstagmorgen stabil fahren. Doch erneut werden den Tag über drei Viertel der Fernzüge nicht fahren – mit großen regionalen Unterschieden. Das Unternehmen bat auch Fahrgäste angesichts teils überfüllter Züge um größtmögliche Rücksichtnahmen, um Corona-Ansteckungen zu vermeiden. Das Bordpersonal unterstütze sie dabei, sich bestmöglich in den Zügen zu verteilen, hieß es.

Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, nach dem Ende des Streiks in der Nacht zum Freitag schnellstmöglich den Regelbetrieb zu erreichen.

Bei der Bevölkerung hat die GDL nicht gerade viel Rückendeckung für den Arbeitskampf zum Ende der Reisezeit. Mehr als jeder zweite Bundesbürger (55 Prozent) hat kein Verständnis für den Streik, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte YouGov-Erhebung. Demnach haben nur 31 Prozent der Menschen in Deutschland Verständnis für den Ausstand, 14 Prozent der Befragten machten keine Angaben. Im Osten ist das Verständnis für den GDL-Streik demnach etwas höher als im Westen.

Claus Weselsky (r.), Bundesvorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, will kommende Woche über die Fortsetzung des Streiks entscheiden. dpa/Wolfgang Kumm

Arbeitskampf könnte bis 100 Millionen Euro täglich kosten

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau. Ökonomen warnen vor gravierenden Kosten des Lokführerstreiks. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält langfristig Folgen von bis zu 100 Millionen Euro täglich für möglich. „Ab dem vierten oder fünften Streiktag drohen Lieferketten zu reißen – und dann wird es sehr schnell sehr teuer“, sagte IW-Verkehrsökonom Thomas Puls dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

GDL-Chef droht mit weiteren Streiks

Trotzdem droht GDL-Chef Claus Weselsky mit weiteren Streiks. Man werde mit der ersten Maßnahme nicht durchkommen, sagte er vor Gewerkschaftern in Berlin. „Von daher brauchen wir einen langen Atem.“ Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: „Ich verspreche Euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um.“ Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll in der kommenden Woche fallen.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. „Die 40-Monate-Laufzeit kommt vom Tisch“, hatte Weselsky am Donnerstagabend erklärt. Wenn nicht, bleibe es bei Arbeitskampfmaßnahmen.