Ein Aktienhändler in Frankfurt: Gleich zum Handelsstart sackte der deutsche Leitindex um vier Prozent ab. dpa/Arne Dedert

Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat Schockwellen rund um den Globus ausgelöst. Börsen und Wirtschaft rüsten sich für turbulente Zeiten. Auf Verbraucher dürften Preissteigerungen zukommen.

Bereits am ersten Kriegstag, dem Donnerstag, gab es deutliche Preissprünge für Rohstoffe wie zum Beispiel Öl. An den Aktienmärkten weltweit rauschten die Kurse nach unten, viele Anleger flüchteten in Anlagen wie Gold und Bundesanleihen, die in Krisenzeiten als sicher gelten. Die deutsche Wirtschaft stellt sich auf erhebliche Rückschläge ein. „Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Es herrscht Krieg in Europa“, fasste Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt die Lage zusammen.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent kostete erstmals seit 2014 mehr als 100 Dollar. Der Aluminium-Preis (Russland ist ein wichtiger Lieferant) kletterte auf ein Rekordhoch von 3388 US-Dollar pro Tonne.

Rekordpreise für Gas und Weizen

Ein Scheffel Weizen (rund 35 Liter) kostete mit knapp 9,35 Dollar so viel wie seit 2012 nicht mehr. Am europäischen Gasmarkt beobachtete Gasmarktexperte Heiko Lohmann vom Energieinformationsdienst Energate einen „dramatischen Anstieg“ der Großhandelspreise: Lag der Preis für eine im März zu liefernde Megawattstunde Erdgas am Mittwoch bei 88 Euro, habe er am Donnerstagmittag bei mehr als 118 Euro gelegen.

Sollte Russland wirtschaftliche Sanktionen mit einem Gaslieferstopp beantworten,  „könnte sich der Gaspreis (...) noch weiter erhöhen. In diesem (...) Szenario würde die Inflationsrate in diesem Jahr auf 6,1 Prozent und 2023 auf fünf Prozent klettern“, rechnete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für Deutschland vor. „Die Verbraucher, aber auch die Unternehmen, hätten also noch weniger im Portemonnaie als ohnehin schon.“

Der Sprung beim Ölpreis machten sich zunächst nicht an deutschen Tankstellen bemerkbar. Die Preise für Benzin und Diesel lagen nach ADAC-Angaben am späten Donnerstagvormittag gleichauf mit den vergleichbaren Werten vom Mittwochvormittag. Am Mittwoch hatten sich allerdings im bundesweiten Tagesdurchschnitt bereits Allzeithochs von 1,750 Euro je Liter Super E10 und 1,663 Euro je Liter Diesel ergeben. „Es ist zu befürchten, dass die Höchstpreise von gestern nicht die letzten bleiben werden“, sagte ADAC-Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht. Ein Benzinpreis von 2 Euro im bundesweiten Tagesdurchschnitt sei aber „in absehbarer Zeit nicht zu erwarten“.

Wirtschafts-Erholung nach Corona in Gefahr

Bislang gingen Volkswirte davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Winter infolge der anhaltenden Corona-Pandemie im Frühjahr 2022 wieder zulegen wird. Die Eskalation des Ukraine-Konflikts ist jedoch Gift für die Konjunktur. „Die wirtschaftlichen Folgen dieser Invasion sind noch nicht absehbar, sie sind aber ganz sicherlich schwerwiegend“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian.

Deutschlands exportorientierte Maschinenbauer rechnen damit, dass Strafmaßnahmen gegen Russland auch ihr Geschäft treffen werden. Der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Karl Haeusgen, betonte zugleich: „Der VDMA unterstützt die Entscheidung, die Aggression hart zu sanktionieren.“

Der deutsche Leitindex Dax sackte am Donnerstag unter die Marke von 14.000 Punkten.  Am russischen Aktienmarkt ging der Ausverkauf weiter: Der RTS-Index brach zeitweise um fast die Hälfte auf 612 Punkte ein. Schon am Mittwoch waren in den USA wichtige Börsenbarometer abgerutscht. Der Dow Jones Industrial fiel auf das niedrigste Niveau seit April 2021.

„Nach einer ersten Schockstarre warten die Märkte auf mehr Klarheit über das Ausmaß der westlichen Sanktionen sowie über mögliche Gegenmaßnahmen Russlands“, analysierte Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen-Bank-Tochter DWS. Der Abwärtstrend an den Börsen könnte nach seiner Ansicht zum Beispiel noch verstärkt werden, „wenn Kleinanleger in Panik geraten“.

Wert des russischen Rubels im Sturzflug

Der russische Rubel brach gegenüber dem Dollar auf ein Rekordtief ein. Die Zentralbank Russlands kündigte Stützungsmaßnahmen an. Gewinne verzeichneten hingegen der Dollar, der japanische Yen und der Schweizer Franken. Diese Währungen werden in unsicheren Zeiten oft nachgefragt. Der Euro sackte erstmals seit Ende Januar wieder unter 1,12 Dollar.

Gold gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Eine Feinunze des Edelmetalls (rund 31,1 Gramm) kostete im frühen Handel am Donnerstag 1949 US-Dollar, das ist der höchste Stand seit Januar 2021.