Eine bessere Work-Life-Balance ist der Wunsch vieler Arbeitnehmer. Das passende Modell zur Vier-Tage-Woche hängt dabei von den eigenen Bedürfnissen und der Motivation ab.
Eine bessere Work-Life-Balance ist der Wunsch vieler Arbeitnehmer. Das passende Modell zur Vier-Tage-Woche hängt dabei von den eigenen Bedürfnissen und der Motivation ab. Uwe Umstätter/Westend61/dpa

Nur vier Tage pro Woche arbeiten, aber volles Gehalt kassieren? Das klingt für die allermeisten Menschen wie reines Wunschdenken. Noch! Denn immer lauter werden Arbeitszeitmodelle für eine Vier-Tage-Woche diskutiert. In großen Studien werden sie getestet. Doch was spricht eigentlich für die Vier-Tage-Arbeitswoche – und was dagegen?

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Wo gibt es bereits eine Verkürzung der Arbeitszeit auf vier Tage?

In Island zeigte eine Studie zu dem Thema unter 2500 Beschäftigten, dass die Produktivität bei einer Vier-Tage-Woche und meist reduzierter Arbeitszeit größtenteils gleich blieb oder besser wurde. Belgien will die Vier-Tage-Woche sogar landesweit ermöglichen. Allerdings soll dort die wöchentliche Arbeitszeit nicht verkürzt werden.

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Außerdem läuft derzeit eine große Studie in Großbritannien, die herausfinden will, ob eine Vier-Tage-Arbeitswoche flächendeckend funktionieren kann. Insgesamt sind an dem Pilotprojekt mehr als 70 Unternehmen beteiligt, die ihren insgesamt über 3300 Beschäftigten zunächst für sechs Monate einen zusätzlichen freien, bezahlten Tag pro Woche gewähren.

Zur Halbzeit antworteten 86 Prozent der in einer Zwischenauswertung befragten Unternehmen, sich die Vier-Tage-Woche auch langfristig vorstellen zu können. 88 Prozent gaben an, das Modell funktioniere gut in ihrem Arbeitsalltag.

Auch in Deutschland gibt es bisher einzelne Betriebe, die die Vier-Tage-Arbeitswoche eingeführt haben. Die Resonanz: durchweg positiv!

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Was spricht für eine Vier-Tage-Arbeitswoche bei vollem Gehalt?

Arbeitsforscher Philipp Frey vom Karlsruher Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse weiß: Es gebe mittlerweile aber eine sehr gute Studienlage zu steigender Produktivität bei Arbeitszeitverkürzung. „Volkswirtschaftlich ist es definitiv möglich.“ Es sei lediglich eine Frage der Ausgestaltung: Die Belegschaften müssten eingebunden werden, und einzelne Arbeitstage dürften nicht zu lang sein.

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Für viele Betriebe dürfte der Fachkräftemangel ein zentrales Argument für die Einführung der Vier-Tage-Woche sein – um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren und aus der Masse abzuheben.

Vier statt fünf Tage in der Woche arbeiten – bei vollem Gehalt. Das soll Arbeitgeber attraktiver machen und die Produktivität erhöhen.
imago images/Rupert Oberhäuser
Vier statt fünf Tage in der Woche arbeiten – bei vollem Gehalt. Das soll Arbeitgeber attraktiver machen und die Produktivität erhöhen.

Was spricht gegen eine Vier-Tage-Arbeitswoche?

In Deutschland ging die Diskussion zuletzt in eine andere Richtung: Da war etwa Industriepräsident Siegfried Russwurm, der mit der 42-Stunden-Woche sympathisierte. Oder Gesamtmetallchef Stefan Wolf, der die Rente mit 70 ins Spiel brachte. Das Argument: Wenn die Babyboomer bald in Rente gehen und immer weniger arbeitende Bevölkerung zur Verfügung steht, müssen die Verbleibenden länger ran.

Und es gibt noch weitere Argumente gegen eine Vier-Tage-Arbeitswoche.

Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks ist man skeptisch: Presse man eine 40-Stunden-Woche zudem in vier Arbeitstage, könne das zu sehr langen Abwesenheiten von Familie und Privatleben führen. Betriebe mit einem solchen Arbeitszeitmodell könnten dann gerade für Frauen weniger attraktiv werden.

Überhaupt seien Zehn-Stunden-Tage eigentlich nicht vertretbar, warnen auch Gewerkschaften. „An jedem der verbliebenen vier Tage einfach mehr zu arbeiten, erhöht den Stress und ist damit aus unserer Sicht keine Lösung“, heißt es von der IG Metall.

Und schließlich müsse eine Arbeitszeitverkürzung auch zwangsläufig mit einem Lohnausgleich daherkommen. Sonst handele es sich bloß um ein Teilzeitmodell, so der Vorsitzende der Tarifpolitischen Grundsatzabteilung bei Verdi, Norbert Reuter. Aus seiner Sicht ist es auch nicht zielführend, eine mögliche Arbeitszeitverkürzung auf vier Tage festzusetzen. Vielmehr müsse sie Beschäftigten Flexibilität ermöglichen. Vor allem für Großkonzerne sei ein solches Modell umsetzbar.