Leere Regale in einem Supermarkt in Salt Lake City: Milchpulver ist hier komplett ausverkauft. dpa/Rick Bowmer

Die internationale Lebensmittel-Krise zeigt immer abstrusere Auswirkungen selbst in den reichsten Ländern der Welt: In Deutschland ist Sonnenblumenöl so gut wie nicht mehr erhältlich, in den USA ist ein extremer Mangel an Milchpulver nun zur Chefsache der Biden-Regierung geworden: Der US-Präsident hat das Militär eingeschaltet und Deutschland um Nothilfe gebeten!

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US-Militärmaschinen bringen deutsche Babynahrung nach Amerika

Das US-Militär ist in diesen Tagen mit ungewöhnlichen Aufgaben betraut: Auf den Ladeflächen von Transportmaschinen auf dem Weg nach Europa befinden sich Haubitzen für die Ukraine für den Abwehrkampf gegen Russland. Zurück fliegen die Maschinen mit Milchpulver aus Deutschland. 132 Paletten Milchpulver für Babynahrung sollen dafür sorgen, eine akute Versorgungskrise in dem Land zu lindern.

Der Transport des Milchpulvers, in den USA „Baby Formula“ genannt, wurde zur Chefsache der US-Regierung. „Operation Fly Formula“ heißt die Nothilfe, in der mehrere US-Ministerien zusammen mit dem Militär die dringend benötigte Säuglingsnahrung herbeischaffen. Grundlage dafür ist ein Notfallgesetz, das ursprünglich für Kriegszeiten geschaffen wurde.

Säuglinge starben, nachdem sie bakteriell verunreinigte Babynahrung bekommen hatten

Hintergrund des Engpasses ist der Ausfall einer Fabrik von Abbott, dem größten Hersteller von Säuglingsmilchnahrung in den USA. Der Produzent hatte mehrere Produktlinien zurückgerufen, nachdem – womöglich wegen bakterieller Verunreinigungen – vier Säuglinge erkrankt und zwei gestorben waren. Die Produktion in einem Werk der Firma im Bundesstaat Michigan wurde vorerst komplett gestoppt. Erst in mehreren Wochen könne die Produktion wieder angefahren werden.

Der Mangel betrifft in erster Linie Babys, die aus medizinischen Gründen nicht mit Muttermilch gestillt werden können sowie ältere Kinder mit lebensbedrohlichen Allergien. In den USA ist Milchpulver deutlich verbreiteter als in Deutschland, wo die Kleinkinder länger gestillt werden. In den USA sind viele Mütter aufgrund fehlender Mutterschafts-Schutzregeln gezwungen, rascher ins Berufsleben zurückzukehren. Die Versorgungskrise hat nun viele Mütter dazu gezwungen, länger zu stillen, als sie es eigentlich vorhatten.