Vorurteile über Senioren und Seniorinnen sind weiter verbreitet, als man so glaubt.
Vorurteile über Senioren und Seniorinnen sind weiter verbreitet, als man so glaubt. imago

Sie leisten zu wenig, passen sich nicht an und stehen der jüngeren Generation im Weg: Vorurteile und Diskriminierungen von Älteren sind vielfältig – und leider weiter verbreitet als vermutet.

Menschen über 70 zu alt für politische Ämter?

Laut einer Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes finden 53 Prozent der Befragten, ältere Menschen würden nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt beitragen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland. 51 Prozent würden demnach einer Regelung zustimmen, „dass Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter, wie etwa bis 70 Jahre, politische Ämter haben dürfen“.

40 Prozent meinen, dass junge Menschen von alten Menschen bei der Bewältigung des Klimawandels im Stich gelassen würden; unter den jüngsten Befragten vertraten sogar 63 Prozent diese Ansicht. Zugleich überschätzten 74 Prozent den Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zum Teil erheblich. Vielfach wurde dieser Anteil mit 30 Prozent angegeben; tatsächlich beträgt er 18 Prozent.

Die Studie „Altersbilder und Antidiskriminierung in Deutschland“ will die Antidiskriminierungsstelle am Donnerstagvormittag in Berlin vorstellen. Grundlage sei eine bevölkerungsrepräsentative telefonische Befragung von 2000 Menschen ab 16 Jahren im Januar dieses Jahres.

Schutz für Ältere soll ins Grundgesetz

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Ferda Ataman, beklagte die Ergebnisse. „Die Zahlen sind drastisch und zeigen, dass Klischees und stereotype Vorstellungen über ältere Menschen fest verwurzelt sind“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und fügte hinzu: „Sie zeigen außerdem, dass es zwischen den Generationen entlang wichtiger Themen wie politischer Beteiligung und Klimaschutz potenzielle Spannungen gibt.“

Die Bundes-Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman sieht das Zusammenleben der Generationen bedroht.
Die Bundes-Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman sieht das Zusammenleben der Generationen bedroht. dpa/Bernd von Jutrczenka

Pauschale Aussagen über Ältere wie etwa die, sie seien „zu wenig leistungsfähig“, „nicht anpassungsfähig“ oder „nicht fit genug“, bedrohten das Zusammenleben der Generationen.

Der Schutz von Senioren und Seniorinnen gehört für Ataman sogar ins Grundgesetz. „Um ein politisches Zeichen gegen Altersdiskriminierung zu setzen, muss der Begriff ‚Lebensalter‘ endlich in Artikel drei des Grundgesetzes aufgenommen werden: Diskriminierung aufgrund des Alters ist inakzeptabel.“

In Artikel drei heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seiner religiösen und politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Das Merkmal Alter fehlt bislang.