Innenminister Jan Hamacek (l.) und Premierminister Andrej Babis gaben am 17. April die Vorwürfe gegen Russland offiziell bekannt. Foto: imago/CTK Photo/Michaela Rihova

Seit mehr als zwei Wochen belastet eine Geheimdienstaffäre um Explosionen in einem tschechischen Munitionsdepot die Beziehungen zwischen Prag und Moskau, und jetzt wird sie zu Problem für den tschechischen Innenminister. Laut Nachrichtenportal Seznamzpravy.cz habe Jan Hamacek dem Kreml einen Tauschhandel vorschlagen wollen: Gegen die Lieferung von einer Million Dosen des Corona-Impfstoffs Sputnik V hätte Prag demnach seine Vorwürfe gegen Russland als Urheber der Explosionen mit zwei Toten geheim gehalten.

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Das sei Thema eines Treffens im Innenministerium am 15. April gewesen, hieß es. Dort sei der Vorschlag indes auf generelle Ablehnung gestoßen. Tschechien beschuldigte zwei Tage später russische Geheimdienstagenten, für Anschläge auf das Depot in Vláchovice im Osten des Landes 2014 verantwortlich zu sein. Moskau bestritt dies. Beide Seiten wiesen gegenseitig Diplomaten aus, Tschechien wird Russland nicht mehr am Ausbau eines Kernkraftwerks beteiligen.

Hamacek wies die Vorwürfe des Nachrichtenportals zurück. „Der Bericht basiert auf Spekulationen und Lügen, die keiner der Teilnehmer des Treffens bestätigt hat und auch nicht bestätigen kann“, sagte der 42-Jährige. Zu keinem Zeitpunkt sei ein Tauschgeschäft mit Russland ein Thema von Verhandlungen gewesen.

Hamaceks Sozialdemokraten sind der Juniorpartner in der Minderheitsregierung mit der populistischen ANO von Ministerpräsident Andrej Babis. Fünf Monate vor der Parlamentswahl sehen Umfragen die Partei unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde.