Tracking-Apps sollen Ansteckungen mit Corona nachverfolgen können, Nutzer vor Erkrankten warnen. Foto: dpa

Im Streit um eine Corona-Warn-App lenkt die GroKo nun doch ein: Laut Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sollen Nutzerdaten nun doch nicht auf einem zentralen Server, sondern auf den Handys der Nutzer gespeichert werden, so wie es Experten empfehlen. Doch damit ist das Ringen um die App, die Infektionsketten nachverfolgen soll, längst nicht entschieden ...

Nach wochenlangem Zögern traf die Bundesregierung ihre Richtungsentscheidung für ihre geplante Corona-Warn-App und bevorzugt nun eine dezentrale Speicherung der Nutzerdaten auf den jeweiligen Smartphones. Der Schwenk ist eine Reaktion auf die scharfe Kritik von Datenschützern, die die Akzeptanz der App bei der Bevölkerung in Frage gestellt hatten, wenn die Daten auf einem zentralen Server gespeichert werden sollen, der auch von Hackern attackiert werden könnte.

Zudem wird damit der Weg frei, die Apps mit den Smartphone-Systemen von Apple und Google zu verknüpfen. Das dürfte die Apps effizienter und sicherer machen.

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App kann bei der Rückverfolgung von Infektionsketten helfen

Die Corona-Apps sollen helfen, die Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Sie sollen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind – und Nutzer warnen, wenn sich neben Infizierten aufgehalten hatten. Dazu sollen Bewegungsdaten anonymisiert erfasst werden. Die App kann jedoch im Kampf gegen Corona nur dann nutzen, wenn möglichst große Teile der Bevölkerung der Technik vertrauen und die App verwenden.

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Gesundheitsämter sollen erfahren, wann und wo Kontakte stattfanden

Kommunen in Deutschland wollen jedoch mit dem Tracking-Programm offenbar viel mehr Daten sammeln, als bisher geplant. In einem Brief an das Kabinett fordert der Deutsche Landkreistag, dass eine App auch „die Kontaktdaten der betroffenen Personen sowie die örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten“ an Behörden übermitteln solle, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ aus dem Brief. Bisher sollte die App nur den anonymen Nutzer über den Verdacht einer Infektion informieren. „Bei der Rückverfolgung von Infektionsketten komme es aber entscheidend darauf an, dass auch das Gesundheitsamt weiß, wann und wo Kontakte mit Infizierten stattgefunden haben“, so Landkreistags-Präsident Reinhard Sager in „FAZ“. Die App soll mit dem Gesundheitsamt verbunden sein und Klarnamen senden.

Für Koalitionsspitzen ist dies „indiskutabel“, es dürfen keine personalisierten Daten erhoben werden“, machte Kanzleramtsminister Helge Braun klar.