Ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe wird an einer Ladesäule aufgeladen.
Ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe wird an einer Ladesäule aufgeladen. dpa/Rehder

Gerade noch schien es, als würden wir noch glimpflich durch den Winter kommen: Die befürchtete Gasknappheit bleibt angesichts der milden Temperaturen aus. Zwar wurde in öffentlichen Gebäuden, Sporteinrichtungen und einigen Mietshäusern die Temperatur heruntergedreht, doch von den befürchteten Ausfällen ist längst keine Rede mehr. 

Auch Wärmepumpen verbrauchen Strom, der das Stromnetz belastet

Noch Ende 2022 hatte die Bundesnetzagentur vor möglichen Stromausfällen durch die massenhafte Nutzung von Heizlüftern gewarnt. Diese waren zwar großflächig ausverkauft, diese stehen jedoch inzwischen meist nutzlos herum. Doch nun kommt eine neue Warnung vor einer Überlastung des Stromnetzes und möglicher Stromausfälle. Der Grund liegt diesmal ganz woanders - und hat ausgerechnet mit einer sehr positiven Entwicklung zusammen.

Die Bundesnetzagentur nennt zwei Quellen, die für mögliche Überlastungen des Stromnetzes verantwortlich sein könnten: private Elektroauto-Ladestationen und strombetriebene Wärmepumpen. Beide stehen eigentlich für die Energiewende, die uns von fossilen Energien unabhängiger machen soll. Wärmepumpen nutzen beispielsweise überwiegend Umweltwärme, allerdings zu einem Viertel auch Strom. Je nach Größe der Immobilie kann der Stromverbrauch das Stromnetz belasten.

Bundesnetzagentur: Stromnetze nicht durch Mehrbelastung durch E-Auto-Ladestationen und Wärmepumpen ausgelegt

Private Ladestationen machen E-Auto-Halter unabhängig vom weiterhin unzureichenden Ladesäulen-Netz. Wird der genutzte Strom durch alternative Energien produziert, trägt dies ebenfalls zur Energiewende bei. Häufig kommt der Strom allerdings immer noch aus Kohle, Gas oder Atomkraft.

Das Problem, auf das die Bundesnetzagentur hinweist, zielt aber ein eine andere Richtung: Die Stromnetze sind lokal nicht auf die durch den massiven Ausbau verursachte Mehrbelastung ausgelegt. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller sagte der ‚Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung‘: „Wenn weiter sehr viele neue Wärmepumpen und Ladestationen installiert werden, dann sind Überlastungsprobleme und lokale Stromausfälle im Verteilnetz zu befürchten, falls wir nicht handeln.“ Für besonders störanfällig hält Müller lokale Niedrigvolt-Ortsnetze, die übliche Form der Stromversorgung in Wohngebäuden.  

Um Stromausfälle zu vermeiden, soll der Strom rationiert werden: Minimalversorgung

In einem Eckpunktepapier rät die Behörde zu drastischen Maßnahmen im Falle einer hohen Netzauslastung: So müsse der Strom lokal rationiert werden, um Stromausfälle zu vermeiden. Dabei solle allerdings eine Mindestversorgung gewährleistet bleiben. Damit könnten Wärmepumpen „nahezu störungsfrei“ weiterlaufen. E-Autos könnten allerdings dann nur noch minimal aufgeladen werden, so dass sie eine Reichweite von gerade einmal 50 Kilometern zurücklegen könnten. Die Pläne sollen zum Januar 2024 in Kraft treten.

Eon-Chef Thomas König fordert angesichts dieser Pläne, den Ausbau lokaler Stromnetzte zu beschleunigen. Bei neuen Anlagen gebe es Wartezeiten von bis zu acht Monaten, Investitionen würden durch langjährige Genehmigungsverfahren ausgebremst. „Das ist völlig indiskutabel“, kritisiert König.