Der französische Peugeot-Hersteller PSA und der italienisch-amerikanische Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) fusionieren zu Stellantis. Foto: AFP/Marco Bertorello 

Mehr als 400.000 Mitarbeiter, 14 Marken von Fiat und Peugeot über Opel bis Alfa Romeo, Maserati und Dodge: Stellantis heißt der neue, jetzt viertgrößte Megakonzern der Autobranche, der am 16. Januar offiziell gegründet wurde.

Vom lateinischen Wort für Stern („Stella“) ist der etwas schwerfällig anmutende Name des Autogiganten abgeleitet. Der Zusammenschluss des französischen Peugeot-Herstellers PSA und des italienisch-amerikanischen Fiat-Chrysler-Konzerns (FCA) ist die Krönung der Karriere von Vorstandschef Carlos Tavares, der schon bei PSA an der Spitze stand.

Chef als knallharter Sanierer bekannt

Der 62-jährige Portugiese ist künftig Herr über 14 Automarken. Vor der Corona-Krise verkaufte die Gruppe zusammengerechnet rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr, machte 170 Milliarden Euro Umsatz. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren 2019 größer.

Carlos Tavares steht an der Spitze des neuen Megakonzerns mit 400.000 Mitarbeitern. Foto: AP/Michel Euler

Und der Zusammenschluss soll noch etliche Milliarden mehr in die Kassen spülen – fünf Milliarden Euro Plus verspricht Konzernchef Tavares durch Synergien. Auf Kosten der Jobs? Dass er keine Furcht vor drastischen Schritten hat, zeigte Tavares bereits, als er in den vergangenen Jahren den deutschen Hersteller Opel mit eiserner Hand sanierte.

„Vor uns liegen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten“, sagt der knallharte Topmanager mit Wurzeln in Lissabon zur Mega-Fusion. Stellantis will für Mobilität sorgen, die „sicher, sauber und erschwinglich“ ist – so lautet das Credo von Tavares.

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Da mit der Corona-Krise weniger Autos verkauft werden, dürfte der Druck auf Tavares steigen, den neuen Verbund umzubauen. „Da wird ein sehr dicker Rotstift kommen“, sagte der Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. „Opel ist die Blaupause. Kein Autokonzern braucht vier große Entwicklungszentren in USA, Turin, Paris und Rüsselsheim.“

Opel sieht sich gut aufgestellt

Opel-Chef Michael Lohscheller hatte im Oktober der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, dass er den Stammsitz Rüsselsheim in dem neu entstehenden Konzern als gut aufgestellt sieht. Opel bleibe die einzige deutsche Marke im Konzern.

Das Opelwerk in Rüsselsheim – müssen die Mitarbeiter um ihre Jobs bangen? Foto: imago images/photothek

Tavares versicherte schon vor der Corona-Krise, der neue Verbund mit großen Standbeinen in Europa und Nordamerika wolle keine Werke schließen. Die Regierungen in Paris und Rom wiesen bereits deutlich darauf hin, dass sie auf die Beschäftigung sehr genau aufpassen werden. Frankreich und Italien sind die Heimatländer von Peugeot und Fiat („Fabbrica Italiana Automobili Torino“) – beide Unternehmen haben ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert.

Stärkung der Marktposition in China

Der Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann (44) ist Enkel des legendären Fiat-Patriarchen Giovanni „Gianni“ Agnelli (1921–2003). Die Familie Agnelli wird laut der Zeitung Le Parisien mit rund 14,4 Prozent im neuen Konzern vertreten sein und damit eine starke Position haben. Weitere größere Aktienpakete werden von der Familie Peugeot und dem französischen Staat gehalten.

Stellantis kann hohe Stückzahlen und Marktanteile in Europa und USA vorweisen. Experte Dudenhöffer gibt aber zu bedenken, dass der neue Gigant in China und Asien bisher schwach aufgestellt sei – er könnte also das Autogeschäft der Zukunft mit immensen Wachstumsraten verpassen. „Asien wird das Autogeschäft dominieren.“