Ein Güterzug rollt an abgestellten Zügen der Deutschen Bahn vorbei. dpa/Stefan Puchner

Im Fernverkehr stöhnen Bahn-Kunden schon seit Jahren über stundenlange Verspätungen von Zügen. Doch das scheint noch harmlos zu sein im Vergleich mit dem Güterverkehr! Dort sind tage- und sogar wochenlange Verspätungen durchaus üblich und die Industrie muss solang geduldig auf bestellte Waren warten.

Güterzüge auf Überholgleisen geparkt

Derzeit stünden 300 Züge mindestens einen Tag auf freier Strecke herum, in einzelnen Fällen sogar bis zu zwei Wochen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) unter Berufung auf Branchenkreise über die dramatische Lage. Die Lokführer müssten die Züge dann auf Überholgleisen parken und sich auf die nächste Straße durchkämpfen, um irgendwie nach Hause zu kommen.

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Das Bundesverkehrsministerium erhöht dem Bericht zufolge jetzt den Druck auf das Management der Deutschen Bahn, die chaotischen Zustände bald in den Griff zu bekommen. Denn auch das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn ist schuld an der Misere im Schienenverkehr. Es gilt schon seit Jahren als schlecht und ineffektiv, hinzu kommt eine mangelhafte Kommunikation und Koordination.

Krisengipfel mit der Deutschen Bahn

„Die Situation hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt“, warnt der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Michael Theurer (FDP), in der FAZ. So berichtete ein Lokführer der Zeitung, dass er stundenlang damit beschäftigt ist, Züge ausfindig zu machen, anstatt sie planmäßig über die Schienen zu lenken.

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„Wir brauchen dringend eine Inventur und dann eine Generalsanierung. Es muss unter dem rollendem Rad saniert werden“, so Theurer. Laut FAZ fand in der vergangenen Woche ein Krisengespräch zwischen dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Bahn statt.

Dabei soll zumindest Einigkeit bestanden haben, dass sich etwas ändern müsse, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Doch es fehlt allerorten die Zuversicht, dass dies bald geschehen kann. Die Warnung an das Bahn-Management trifft den Konzern in einer Zeit, in der der Staatskonzern durch das 9-Euro-Ticket und durch die ambitionierten Ziele der Politik für die Steigerung der Passagier- und Güterverkehrszahlen in arger Bedrängnis ist. Ende April hat der bisherige Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla sein Amt niedergelegt, seitdem wird ein Nachfolger gesucht.