Ein SUV fährt am Bundeskanzleramt vorbei - dort soll über höhere Kfz-Steuern entschieden werden. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Dickes Auto, fette Steuern: So will die Bundesregierung mehr Autofahrer zum Umstieg auf klimafreundliche Modelle bewegen. Die Kfz-Steuer für  Spritschlucker soll deshalb steigen. Schon am heutigen Freitag könnte das Kabinett die Pläne von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) absegnen. Denn das Kaufverhalten der Kunden - gern darf es ein SUV oder ein Geländewagen sein - läuft bislang dem Ziel der Bundesregierung entgegen, die Kohlendioxid-Emissionen im Verkehr um mindestens 40 Prozent zu verringern. Die neue Steuer soll  dazu anreizen, beim nächsten Neuwagenkauf „ohne Verbote und Strafabgabe“ ein umweltfreundlicheres Auto zu wählen, schreibt das Finanzministerium in seinem Gesetzentwurf.  

Mehr CO2 steigert Steuer

Neben dem Hubraum (9,50 Euro pro 100 Kubikzentimeter) soll der CO2-Ausstoß bei Neuzulassungen ab 2021 so besteuert werden, dass mehr Verbrauch und damit ein Mehr des Klimagases zunehmend teurer werden. Die Steuer steigt in sechs Stufen von 2 bis auf 4 Euro je Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Bis 95 Gramm CO2/Kilometer liegt der Klima-Aufschlag auf die Steuer bei null. Von 96 bis 115 Gramm fallen - wie bisher - 2 Euro pro Gramm/Kilometer an. Ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer steigt die Klimasteuer im Vergleich zum bisherigen Steuersatz zunächst auf 2,20 Euro, dann auf 2,50 Euro, 2,90 und 3,40 Euro bis zu  4 Euro für Autos mit einem Ausstoß von mehr als 195 Gramm. 

Wenn hier viel rauskommt, kassiert der Finanzminister mehr. Foto: imago images / Jan Hübner

Laut Ministerium hatten die 2019 erstzugelassenen Autos im Schnitt einen CO2-Prüfwert von 157 Gramm.  Dieses Durchschnittsauto wird mit der neuen Steuer im Jahr 15,80 Euro teurer. Die Spanne ist aber groß. So änderte sich bei einem Kleinwagen Opel Corsa mit 95 Gramm CO2 nichts. Eine Familienauto wie der VW Passat mit 120 Gramm würde einen Euro im Jahr teurer. Für einen SUV wie den T-ROC von VW (151 Gramm) würden 11,50 Euro mehr anfallen, bei einem Porsche 911 (215 Gramm) wären es 100 Euro mehr im Jahr, bei einem Ferrari 812 (340 Gramm)  350 Euro.

Kritik von zwei Seiten

 Umweltschützer meinen, der aus ihrer Sicht geringe Steueraufschlag werde niemanden vom Kauf seines Lieblingsautos abbringen. Wolle man einen echten Effekt, so müssten nicht nur Spritschleudern teurer, sondern zugleich emissionsarme Autos günstiger werden. Andere, etwa die FDP, fürchten einen großen Schaden für die wegen der Corona-Krise ohnehin gebeutelte Autobranche, die an SUVs gut verdient.

 Teurer werden auch Benzin und Diesel durch einen CO2-Aufschlag an der Tanksäule, der zunächst 7 Cent pro Liter Benzin und 8 Cent pro Liter Diesel betragen und bis 2026 ansteigen soll.

Im Gegenzug sollen Arbeitnehmer mit längeren Fahrwegen entlastet werden. Ab 2021 steigt die Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer von 30 auf 35 Cent, von 2024 an noch weiter auf 38 Cent pro Kilometer. Diesen Betrag darf man pro Arbeitstag von den zu versteuernden Einkünften abziehen. Es zählt die einfache Entfernung.  

 Weil die Bundesregierung offenbar erwartet, dass die Steuermaßnahmen nicht reichen, erhalten Käufer von Elektroautos bis mindestens Ende 2025 einen Umweltbonus. Bei einem Listenpreis bis 40.000 Euro gibt es 6000 Euro für reine E-Autos und bis 4500 Euro für Hybrid. Für teurere Autos - bis 65.000 Euro - gibt es 5000 beziehungsweise 3750 Euro.