Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Joe Biden bei der Pressekonferenz. AFP/Saul Loeb

US-Präsident Joe Biden überhäufte die Kanzlerin bei ihrem Abschiedsbesuch mit Anerkennung für ihre „historischen Verdienste“. Auch Angela Merkel (CDU) sparte nicht an Lob für den „lieben Joe“. Doch selbst so viel zur Schau gestellte Einigkeit  konnte nicht darüber hinweg täuschen: Bei den großen Streitthemen blieb auch Biden unerbittlich wie Vorgänger Donald Trump.

Nord Stream 2

Die fast fertig gestellte Pipeline, die russisches Erdgas an der Ukraine vorbei nach Deutschland bringen soll, ist der größte Streitpunkt zwischen Berlin und Washington. Hoffnungen auf einen Durchbruch bei Merkels Besuch haben sich nicht erfüllt. „Hier haben wir unterschiedliche Einschätzungen, was dieses Projekt mit sich bringt“, sagt Merkel knapp.

Reisebeschränkungen

Die EU hat coronabedingte Beschränkungen für Einreisende aus den USA gelockert, die Biden-Regierung aber nicht für EU-Bürger. Was in Europa für wachsenden Unmut sorgt. Merkel sprach das Thema beim Treffen im Oval Office an. Biden will nun das Einreiseverbot „rasch überprüfen“.

Kampf gegen Corona

Weder Merkel noch Biden thematisierten bei der Pressekonferenz ihre gegensätzliche Haltung zur Forderung, den Patentschutz von Impfstoffen vorübergehend aufzuheben. Merkel ist dagegen, Biden dafür.

Umgang mit China

Biden wirbt bei den Verbündeten seit seiner Amtsübernahme für einen möglichst harten Kurs gegenüber China, Merkel will eine Konfrontation vermeiden.

Diplomatisch pochte die Kanzlerin dennoch auf ein Bekenntnis zur engen Zusammenarbeit. „Wir sind enge Partner. Ich möchte, dass das auch nach meiner Zeit als Bundeskanzlerin so bleibt.“