Die Drohungen werden immer aggressiver: Der Kreml ließ jetzt seine Atomstreitkräfte ein Manöver abhalten. imago/Panthermedia

Moskau reagiert auf angekündigte Waffenlieferungen der USA an die Ukraine und verstärkt den Druck auf die westliche Welt: Wie das russische Verteidigungsministerium bekannt gab, halten russische Atomstreitkräfte am Mittwoch ein Militärmanöver in Iwanowo nordöstlich von Moskau ab.

Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Ministerium. Die Angaben aus dem Kreml lassen sich allerdings nicht unabhängig prüfen.

Die beteiligte russische strategische Raketendivision ist für die „nukleare Abschreckung einer möglichen Aggression“ verantwortlich, wie es von offizieller Seite heißt.

Berichten zufolge sind an den Übungen etwa 1000 Angehörige des Militärdienstes mit mehr als 100 Einsatzfahrzeugen beteiligt. Teil der Gerätschaften bei den Manövern sind offenbar auch Trägerraketen für ballistische Interkontinentalraketen vom Typ „Jars“.

Raketen haben bis 11.000 Kilometer Reichweite

Diese Rakete ist laut Interfax-Bericht in der Lage, Ziele in einer Entfernung von mehr als 11.000 Kilometern zu treffen, und kann mit mehreren Sprengköpfen ausgestattet werden. Damit könnte der Kreml jedes Ziel in den USA treffen.

Insgesamt besitzt Russland rund 6250 Atomwaffen und verfügt damit über das größte Arsenal weltweit, vor den USA mit rund 5550 Waffen.

USA liefern moderne Raketensysteme in die Ukraine

Offenbar ist das Militär-Manöver die Antwort des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf neue Waffenhilfe für Kiew. Zuvor war nämlich bekannt geworden, dass die USA die Ukraine mit modernsten Waffen im Kampf gegen Russland unterstützen werden.

Präsident Joe Biden hatte am Dienstagabend angekündigt, dass seine Regierung moderne Raketensysteme mittlerer Reichweite in die Ukraine entsenden wird. Biden hat Putin versichert, dass die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigen, einen größeren Konflikt oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu provozieren.

Auch Deutschland will der Ukraine Mehrfachraketenwerfer und ein modernes Flugabwehrsystem für den Kampf gegen die russischen Angreifer liefern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte den ukrainischen Streitkräften in der Haushaltsdebatte des Bundestags am Mittwoch zudem ein modernes Ortungsradar zu, das Artilleriestellungen ausfindig machen soll.

Im April gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass es den ersten Test einer neuen Interkontinentalrakete erfolgreich durchgeführt habe, die laut Präsident Wladimir Putin „in der Lage ist, alle Raketenabwehrsysteme zu überwinden“ und diejenigen, die „versuchen, unser Land zu bedrohen, zum Nachdenken bringen würde“.