Elektronische Bauteile für die Autoindustrie sind inzwischen „Goldstaub“, fehlen allerorten. dpa/Daniel Karmann

Baugewerbe, Handwerk, Autoindustrie: Viele Wirtschaftszweige ächzen unter Lieferengpässen in Folge der Corona-Pandemie und dem Wirtschaftsaufschwung unter anderem in China oder den USA. Das hat Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft. Das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts erwartet, dass die Konjunkturerholung langsamer wird als bislang vorhergesagt.

Die Münchner Ökonomen erwarten für 2021  mit dem Ende der Corona-Krise noch ein Wachstum von 3,3 Prozent. Das wären 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März erwartet. Einen Dämpfer bedeuten nach Einschätzung des Konjunkturforschers Timo Wollmershäuser vor allem die Engpässe bei der Lieferung von Vorprodukten - damit gemeint sind unter anderem fehlende Chips für die Autoindustrie und der Nachschubmangel bei Baumaterialien.

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So hatte beispielsweise Daimler für einen Großteil der Mitarbeiter seiner Mercedes-Werke in Rastatt (6500 Beschäftigte) und Bremen (12.000) zunächst bis Ende dieser Woche Kurzarbeit angemeldet. Volkswagen will in der kommenden Woche für sein Stammwerk in Wolfsburg folgen, begründet das mit unkontrollierbaren Störungen der Lieferbeziehungen aus direkt oder indirekt von dem Coronavirus betroffenen Ländern und Regionen.

Die negativen Aussichten für 2021  könnten sich 2022 ins Positive drehen, erklärte das Institut, hob seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr um 1,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Damit sind sie allerdings immer noch nicht so optimistisch wie die Bundesbank, die einen erheblich schnelleren Aufschwung erwartet - 2022 sogar von über 5 Prozent. Denn anders als die Frankfurter Währungshüter rechnen Wollmershäuser und seine Kollegen nicht damit, dass die Bürger ihre Ersparnisse aus dem Krisenjahr 2020 nun mit vollen Händen ausgeben werden.

Bis Mitte des Jahrzehnts wird sich das Wirtschaftswachstum laut Ifo wieder deutlich verlangsamen, auf dann im Schnitt nur noch 0,7 Prozent im Jahr. „Das hat einzig und allein damit zu tun, dass wir sehr viele Abgänge aus dem Arbeitsleben in den nächsten Jahren sehen werden“, sagte Wollmershäuser zur bevorstehenden Pensionierungswelle der „Babyboomer“-Generation.

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Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte deswegen vor Steuererhöhungen, weil diese das Wachstum noch weiter abwürgen könnten. „Das würde die Entwicklung der privaten Investitionen, die wir brauchen, unmöglich machen oder jedenfalls sehr, sehr erschweren. Deutschlands Zukunft hängt letztlich von der Entwicklung der privaten Investitionen ab.“

Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts dpa/Kay Nietfeld

Für die nähere Zukunft des deutschen Arbeitsmarktes gehen die Ifo-Forscher davon aus, dass sich die Lage aus Arbeitnehmersicht entspannt. Ende Mai waren geschätzt 2,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen mit nur noch 100.000 Kurzarbeitern, so wenig wie vor Beginn der Krise. Die Arbeitslosigkeit könnte demnach von 2,7 Millionen Ende 2020 auf 2,4 Millionen zurückgehen.

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Doch müssen sich Bürger und Unternehmen auf eine im Vergleich zum Vorjahr spürbare Teuerung einstellen. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut eine Inflationsrate von 2,6 Prozent, bedingt vor allem durch höhere Energiepreise und die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer. „Da werden wir die Spitze gegen Endes Jahres erreichen“, sagte Wollmershäuser. Dass das demnächst auch höhere Zinsen nach sich zieht, glauben die Wissenschaftler nicht.