Berlin hat die Booster-Impfung für alle bereits freigegeben. imago/Cavan Images

Die Corona-Infektionszahlen klettern täglich auf neue Rekordstände, das Robert-Koch-Institut hat seine Risikobewertung verschärft und bewertet das Risiko für Ungeimpfte nun als „sehr hoch“. Vor dem Hintergrund der dramatischen Lage beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern heute beim Treffen in Lindau (Bayern) ihren Corona-Kurs im Herbst und Winter.

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Boostern soll zur Regel werden

Wichtigster Punkt: Bund und Länder wollen Auffrischimpfungen für alle Geimpften nach sechs Monaten ermöglichen. Dafür sehen die Bundesländer unter anderem Impfbusse und Impfzentren vor, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach dem Treffen. Auch die niedergelassenen Ärzte würden sich für die Auffrischimpfungen engagieren. Derzeit wären etwa zehn Millionen Menschen ab sofort impfberechtigt und könnten eine Auffrischung bekommen.

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dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bei den Beratungen von Bund und Ländern in Lindau. 

„Boostern nach sechs Monaten sollte die Regel werden – nicht die Ausnahme.“ Insbesondere gelte dies für Ältere und das Personal von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen. Bisher ist das „Boostern“ streng reglementiert und nach Alter gestaffelt.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hat das Boostern für alle in der Hauptstadt bereits freigegeben. Impfen lassen kann man sich hier bei den mobilen Impfteams in den Stadtteilen, in den Impfbussen, in den Impfzentren Messe und Tegel und bei Betriebs- und Hausärzten. „Meine große Bitte ist: Nutzen Sie die Gelegenheit und gehen Sie in die Impfzentren“, sagte Kalyci am Freitag im RBB-Inforadio.

Strenge Zugangsregeln für Veranstaltungen in Innenräumen

Ebenso beschlossen Bund und Länder bei ihrem Treffen strenge 3G-Regeln für Veranstaltungen in Innenräumen. Weil die vierte Welle mit voller Wucht durchs Land rolle, sei 3G in Innenräumen „noch wichtiger“ geworden, sagte Spahn dazu. Zugang erhalten dann nur Geimpfte, Genesene oder Getestete.

Konsens sei, „dass wir mehr Kontrolle brauchen von 3G im Alltag“, so Spahn weiter. Zudem solle 2G – also Zugang nur für Geimpfte und Genesene – als Option für Regionen mit sehr hohem Infektionsgeschehen bestehen. Ein genauer Wert wurde jedoch nicht definiert. Es sei aber zum ersten Mal Konsens zwischen Bund und allen Ländern, dass es solche 2G-Regelungen in Hotspot-Gebieten geben müsse.

„2G+“-Regel in Berlin?

Sachsen und Berlin preschen bei dieser Frage voraus: Sachsen will ab Montag die 2G-Regel etwa für Gastronomie und Veranstaltungen in Innenräumen einführen. In Berlin wird über neue Obergrenzen bei der Besucherzahl von Veranstaltungen sowie eine „2G+“-Regel mit zusätzlichen Corona-Tests für Geimpfte nachgedacht. Am Dienstag will der Senat über Neuregelungen entscheiden.

Tests bei Pflegepersonal und Besuchern

Außerdem soll die Testpflicht in Alten- und Pflegeheimen ausgeweitet werden. Und zwar nicht nur für das Personal, sondern auch für Besucher. Getestet werden sollten auch diejenigen, die geimpft und genesen seien, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Die Tests sollen kostenlos sein. Vom Tisch dagegen ist eine von verschiedenen Seiten geforderte Impfpflicht für das Pflegepersonal.

Außerdem plädierten die Länder dafür, die Corona-Notlage den Winter über zu verlängern. Am 25. November soll die „epidemische Notlage nationaler Tragweite“ auslaufen, die es den Ländern erleichtert, notfalls härtere Beschränkungen zu beschließen.