Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, macht die Rekord-Inflation zu schaffen.
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, macht die Rekord-Inflation zu schaffen. AFP/Daniel Roland

Frankfurt am Main – Im Kampf gegen die Rekord-Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut die Leitzinsen kräftig angehoben. Wie schon im September steigen die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB leihen können, steigt um 0,75 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent.

In den kommenden Monaten werden weitere Zinsschritte folgen, hieß es. Die Inflation ist weiterhin sehr hoch. Im Euroraum lag sie im September bei 9,9 Prozent und in Deutschland bei 10 Prozent.

Was bedeutet der Zinsentscheid für Sparer?

Erste Banken haben die Zinsen für Tages- oder Festgeld bereits erhöht. Auch wurden die Negativzinsen auf dem Tagesgeld- oder Girokonto abgeschafft. „Wir sehen aktuell ein deutliches Comeback der klassischen Geldanlagen wie Tagesgeld- oder Festgeldkonten“, berichtet Moritz Felde, Geschäftsführer Finanzservice bei der Vergleichsplattform Check24. Nach Daten des Verbraucherportals Biallo werden für einjähriges Festgeld aktuell im Schnitt knapp ein Prozent Zinsen bezahlt.

Zuletzt mussten Banken 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Viele Institute geben diese Belastung an Privatkunden ab bestimmten Summen auf dem Konto als sogenanntes Verwahrentgelt weiter.

Allerdings werden die weiterhin mageren Zinsen von der hohen Inflation aufgefressen. Bis die Zinsen beim Festgeld oder Tagesgeld auch nur annähernd an die Inflationsrate heranreichen, werden nach Einschätzung der FMH Finanzberatung noch viele Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen.

Was bedeutet der Zinsentscheid für Kreditnehmer?

Für sie ist es teurer geworden, sich frisches Geld zu leihen. Check24 zufolge zahlen Kreditnehmer beispielsweise für einen neuen Ratenkredit in Höhe von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 36 Monaten aktuell im Schnitt 8,50 Euro mehr pro Monat als noch im Januar.

Welchen Einfluss hat die Anhebung auf die Bauzinsen?

Sie sind nicht direkt von EZB-Zinsentscheidungen abhängig, sondern orientieren sich an der Verzinsung von Bundesanleihen. Bereits vor den Zinserhöhungen der Notenbank sind die Bauzinsen gestiegen. Höhere Zinsen treffen vor allem diejenigen, die ein neues Darlehen brauchen oder eine Anschlussfinanzierung für einen Immobilienkredit. Bei laufenden Hypothekenkrediten ändert sich nichts an der Zinshöhe.

Welche Auswirkungen hat der EZB-Entscheid auf Lebensversicherungen?

Bis der Altersvorsorgeklassiker in der Breite von höheren Zinsen am Kapitalmarkt profitiert, dürfte es noch eine Weile dauern. Branchenexperten erwarten, dass Lebensversicherer zunächst sogenannte stille Lasten in der Bilanz abbauen, die durch die Zinswende entstehen, statt die Überschussbeteiligung zu erhöhen. Die Überschussbeteiligung, die Assekuranzen je nach Wirtschaftslage und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu festsetzen, ist ein wichtiger Teil der laufenden Verzinsung.