Studenten an ostdeutschen Universitäten zieht es nach dem Examen Richtung Westen. dpa/Julian Stratenschulte

Die Prüfungen sind geschafft, doch bevor für Hochschul-Absolventen aus Ostdeutschland die Jobsuche beginnt, steht für die meisten zunächst etwas anderes an: ein Umzug!

Denn weiterhin zieht es viele junge Menschen weg aus Ostdeutschland. Die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen stehen besonders schlecht da, wie eine Studie der Universität Maastricht und des Arbeitsvermittlungssportals Jobvalley zeigt.

In Sachsen-Anhalt liegt der sogenannte Abwanderungssaldo bei 63,1 Prozent und damit etwa so hoch wie in einer Erhebung von 2019. Auf 1000 dortige Uni-Absolventen kommen also nur 369 angehende Jobanfänger, die in Sachsen-Anhalt bleiben wollen oder dorthin wollen.

In Brandenburg ist der Aderlass an jungen Fachkräften mit 47,6 Prozent ähnlich hoch, ebenso in Thüringen. In Mecklenburg-Vorpommern sucht sich fast ein Viertel der ausgebildeten Hochschul-Absolventen in anderen Bundesländern einen Job. Sachsen steht mit einer Abwanderungsquote von 17,2 noch am besten da.

Berlin und Hamburg bei Universitäts-Absolventen sehr beliebt

Sehr attraktiv für Uni-Absolventen sind hingegen die alten Bundesländer und zwei Stadtstaaten: Hamburg hat einen Zuwanderungssaldo von 115,4 Prozent – es wollen also grob gesagt doppelt so viele Hochschul-Absolventen aus Deutschland einen Job in der Hansestadt haben, als es dort Absolventen gibt.

Auch Berlin ist beliebt (plus 67,7 Prozent). Beide Werte waren in der Untersuchung von 2019 allerdings noch höher. Ebenfalls positive Saldi haben Bayern (plus 15,2 Prozent) und Baden-Württemberg (14,3 Prozent).

Osten zahlt hohe Bildungskosten der Studenten und geht dann leer aus

Mit Blick auf die Zahlen sagt Jobvalley-Chef Eckhard Köhn, dass Berlin, Hamburg und der industriestarke Süden von gut ausgebildeten Hochschul-Absolventinnen und Hochschul-Absolventen profitierten, während Standorte in den neuen Bundesländern oft leer ausgingen. „Obwohl sie die hohen Bildungskosten für die Studierenden tragen.“

Zudem weist Köhn darauf hin, dass für Berufsanfänger die starke Anziehungskraft von Hamburg und Berlin etwas nachgelassen hat – in der Studie von 2019 waren deren Wanderungsaldi höher. Woran liegt das? Köhn nennt höhere Mieten in diesen Städten als einen Grund. Die Miete sei „ein riesiger Kostenpunkt“ für die jungen Fachkräfte. „Sowohl Hamburg als auch Berlin verzeichnen hier eine explosive Preissteigerung.“ Nach seiner Darstellung trug dies dazu bei, dass manche Uni-Absolventen keinen Job in diesen Städten haben wollten.

Die Studie basiert auf einer Online-Umfrage, an der im März und September 2021 den Angaben zufolge bundesweit rund 22.000 Studenten und frischgebackene Absolventen mitgemacht haben. Die 2019 publizierte Studie beruht wiederum auf einer Umfrage vom September 2018 – es geht also um einen Abstand von drei Jahren.