Ein Mitarbeiter des Mainzer Unternehmens Biontech hält ein Fläschchen mit Corona-Impfstoff in der Hand.
Foto: BioNTech SE/dpa

Nach der Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer in Großbritannien hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Deutschland um Geduld gebeten. «Wir sollten das Genehmigungsverfahren durch die europäische Arzneimittel-Agentur in Ruhe abwarten», sagte sie am Mittwoch in Berlin. Es sei wichtig, immer wieder zu betonen, dass ein Impfstoff sicher und wirksam sein müsse. Das müsse für Europa und damit eben auch für Deutschland im traditionellen und üblichen Verfahren festgestellt werden.

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Karliczek sagte weiter, es bleibe dabei, dass auch im Falle eines Covid-Impfstoffs keine Abkürzungen genommen und keine Abstriche bei den Anforderungen an einen Impfstoff gemacht würden. «Nur so werden wir das Vertrauen in der Bevölkerung auf einen Impfstoff weiter ausbauen können.»

Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema will noch im Dezember über eine Zulassungsempfehlung für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer entscheiden. Bis spätestens 29. Dezember soll ein Ergebnis der Prüfung vorliegen. Deutschland und die EU haben bereits einen Rahmenvertrag über den Kauf von bis zu 300 Millionen Dosen des Impfstoffs abgeschlossen.

EU-Abgeordneter Liese kritisiert britisches Vorpreschen

Der deutsche EU-Abgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion Peter Liese hat das Vorpreschen Großbritanniens bei der Impfstoffzulassung kritisiert. «Ich halte diese Entscheidung für problematisch und empfehle den EU-Mitgliedstaaten, diesem Beispiel nicht zu folgen», sagte der CDU-Politiker einer Mitteilung zufolge am Mittwoch. Einige Wochen gründlicher Prüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) seien besser als eine überhastete Notfallzulassung.

Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) hatte am Mittwoch dem Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer eine Notfallzulassung für deren Corona-Impfstoff erteilt.

Viele Daten über den Impfstoff lägen den Behörden erst seit Stunden vor, so Liese am Mittwoch. «Bei einer Impfkampagne so großen Umfangs muss man aber genau hinsehen und die Informationen der Unternehmen sorgfältig prüfen. Ich habe Vertrauen in die beteiligten Unternehmen, aber man sagt zu Recht 'Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser'.»

Die Behauptung des britischen Gesundheitsministers, die schnelle Zulassung in Großbritannien habe etwas mit der größeren Flexibilität seines Landes durch den Brexit zu tun, wies Liese zurück. Alle EU-Mitgliedstaten hätten die Möglichkeit, in bestimmten Fällen national eine Notfallzulassung zu erteilen. «Deutschland und andere Länder machen nicht von der Notfallzulassung Gebrauch, weil sie glauben, dass eine sorgfältige Prüfung durch die Europäische Arzneimittelagentur besser als eine überhastete Zulassung ist», so Liese. Großbritannien hat die Europäische Union zwar bereits verlassen, ist aber noch bis Ende des Jahres an EU-Regeln gebunden.

Biontech: Großbritannien wird nicht bevorzugt behandelt

Auch nach der Zulassung des Corona-Impfstoffs in Großbritannien wollen der Mainzer Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer an einer «fairen» weltweiten Verteilung des Präparats festhalten. Die Biontech-Unternehmensführung trat am Mittwoch Befürchtungen entgegen, die EU und die USA könnten bei den Auslieferungen des Vakzins das Nachsehen haben, da die Briten früher grünes Licht für den Impfstoff gegeben haben. «Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir den Impfstoff der ganzen Welt zur Verfügung stellen und an alle fair verteilen, die ihn haben wollen», betonte Vorstand Sean Marett wenige Stunden nach Bekanntwerden der Zulassung vor Journalisten. «Und das heißt, dass nicht alle Dosen an Großbritannien gehen. Großbritannien erhält wie alle einen fairen Anteil.»