Gendarmen patrouillieren vor dem Beginn des Prozesses gegen die Angeklagten der Pariser Anschläge vor dem Pariser Gerichtsgebäude. dpa/Alain Jocard

Gleich an mehreren Orten hatten die Terroristen am 13. November 2015 zugeschlagen. Drei Angreifer eröffneten in der Pariser Konzerthalle Bataclan mitten im Konzert der US-Rockgruppe Eagles of Death Metal das Feuer, schossen wild in die Menge der 1500 Zuschauer.

90 Menschen starben beim Angriff. 40 weitere wurden von Terroristen in mehreren Bars und Restaurants erschossen. Es gab 350 Verletzte. Am Stade de France sprengten sich zudem während eines Fußball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich drei Selbstmordattentäter in die Luft.

Anschlagsserie traumatisiert Frankreich bis heute

Mit einem Blumenmeer an der Place de la République gedachten damals die Franzosen der Opfer noch in der erschütternden Todesnacht, die Paris bis heute traumatisiert.

Bei der Anschlagserie hatten Terroristen auch in Bars und Restaurants auf Gäste geschossen. AP/Thibault Camus

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Anschläge für sich. Und knapp sechs Jahre nach den schwersten Anschlägen in der Geschichte der französischen Republik begann am Mittwoch in Paris unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen die Drahtzieher des Terrors: Angeklagt sind 20 Verdächtige, unter ihnen der bereits in Belgien verurteilte Salah Abdeslam, der als einer der Haupttäter und einziger Überlebender des Terrorkommandos gilt.

Der Musikclub Bataclan: Hier töteten die Terroristen 90 Konzertbesucher in der Terrornacht. AP/Thibault Camus

Mit Bart, schwarzem T-Shirt und schwarzem Mund-Nasen-Schutz erschien der 31 Jahre alte Franko-Marokkaner zum Auftakt des Prozesses. „Es gibt keinen Gott außer Allah“, waren Abdeslams erste Worte in dem Verfahren. „Das sehen wir dann später“, gab ihm der Vorsitzende Richter Jean-Louis Périès ungerührt zur Antwort.

Salah Abdeslam gilt als einer der Haupttäter der Anschläge. AP/Belgium Federal Police

Im Gerichtssaal bekannte sich Abdeslam zur Terror-Miliz Islamischer Staat (IS). „Ich habe jeden Beruf aufgegeben, um Kämpfer des Islamischen Staates zu werden“, antwortete er auf die Frage des Vorsitzenden Richters nach seinem Beruf. Der Franko-Marokkaner soll drei der Attentäter zum Fußballstadion gebracht und selber einen Sprengstoffgürtel getragen haben.

13 weitere Angeklagte sollen mutmaßliche Unterstützer gewesen sein. Gegen sechs andere Angeklagte wird der Prozess in Abwesenheit geführt. Bei fünf von ihnen geht man davon aus, dass sie inzwischen in Syrien ums Leben gekommen sind. Einer ist wegen Terrorvorwürfen in der Türkei inhaftiert.

Justizpalast weiträumig abgesperrt

Für den Prozessauftakt waren in Paris fast 1000 Polizisten mobilisiert. Bewaffnete Spezialkräfte sicherten den weiträumig abgesperrten Justizpalast, in dem ein speziell zusammengestelltes Schwurgericht in einem eigens eingerichteten Saal verhandelt. Dieser bietet 550 Sitzplätze, Bildschirme stellen die Übertragung der Verhandlung in alle Bereiche des Saals sicher. Für Angehörige und Betroffene steht während des gesamten Prozesses eine psychologische Betreuung parat.

Im Prozess gibt es 1765 Nebenkläger. Hunderte Zeugen und Überlebende sollen angehört werden, neben Ermittlern aus Frankreich und Belgien auch der damalige französische Präsident François Hollande. Das Verfahren ist bislang bis Mai 2022 angesetzt. Den Angeklagten droht zumeist lebenslange oder 20-jährige Haft.