Eine Rauchsäule steigt nach der Explosion über Kabul auf.  Foto: AFP/N. Noori

Kabul - Afghanistans Vizepräsident Amrullah Saleh ist in der Hauptstadt Kabul nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Bombenattentat auf sein Auto getötet, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch mitteilte. Saleh zeigte sich nach dem Anschlag, bei dem er seinen Sohn an der Seite hatte, in einem Video. Er berichtete: „Wir haben ein sehr leichtes Brennen am Gesicht und Kopf. Meine Hand ist ein wenig verletzt, weil es eine sehr starke Druckwelle gab. Das Autofenster ist geschmolzen.“

Rund um den Anschlagsort im Herzen der Hauptstadt waren zerstörte Geschäfte und ein weites Trümmerfeld zu sehen. Nach Berichten von Augenzeugen soll die Autobombe explodiert sein, als der Vizepräsident in einem Konvoi auf dem Weg zur Arbeit war. Mehrere Leibwächter und viele Passanten wurden verletzt. Selbst aus mehreren Kilometern Entfernung war noch eine Rauchwolke zu erkennen. Die militant-islamistischen Taliban dementierten umgehend, hinter dem Bombenanschlag zu stehen.

Friedensgespräche geplant

Saleh gilt als scharfer Kritiker der Taliban, mit denen demnächst Friedensgespräche beginnen sollen. Am Sonntag hatte er sie in einem Interview mit dem TV-Sender Tolonews als Terroristen bezeichnet, vor allem von Gewalt bestimmt. Afghanistans ehemaliger Geheimdienstchef hatte bereits im Juli 2019 ein Attentat überlebt. Bei dem damaligen Angriff auf sein Büro in Kabul töteten Angreifer 24 Menschen. Etwa 50 wurden verletzt.

Der Anschlag erfolgte vor dem geplanten Beginn innerafghanischer Friedensgespräche, die in Katar am Persischen Golf abgehalten werden sollen. Noch immer gibt es für die Gespräche zwischen Taliban und Regierung kein konkretes Datum. Diplomaten sind bereits in der katarischen Hauptstadt Doha eingetroffen. Auch das Verhandlungsteam der Taliban ist schon in einem Hotel direkt am Meer. Streit gibt es um das Schicksal einiger Talibankämpfer, deren Freilassung die Islamisten als Vorbedingung für Friedensgespräche fordern.

Bereits in den vergangenen Monaten wurden in Afghanistan Politiker, Aktivisten und Religionsvertreter angegriffen oder getötet. Experten sehen dahinter den Versuch, die Lage vor den geplanten Friedensverhandlungen zu destabilisieren. Die Drahtzieher der Attentate bleiben in der Regel im Verborgenen. (mit dpa)