Wirkt Moderna besser als Biontech? AFP

Ein belgisches Forscherteam hat eine neue Studie zur Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe Moderna und Biontech/Pfizer veröffentlicht. Untersucht wurde die Bildung von Antikörpern gegen Sars-CoV-2.

Bisher sei die Immunantwort im Körper geimpfter nicht untersucht worden, gaben die Forscher an. Zwar hätten die Corona-Impfstoffe in Studien „eine 90-prozentige Effizienz bei der Prävention einer Ansteckung bewiesen, aber die eigentliche Immunantwort der unterschiedlichen Impfstoffe sei bisher nicht verglichen worden. So die Forscher, die ihre Erkenntnisse im Fachmagazin JAMA Network veröffentlichten.

Die sogenannte „humorale Immunantwort“  also die körpereigene Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus fiel bei den beiden Impfstoffen von Biontech und Moderna unterschiedlich aus.

Der entsprechende Wert zur Messung der Antikörperdichte wird „Titer“ genannt und ist eine der wichtigsten Anhaltspunkte, um einen vorhandenen Impfschutz einschätzen zu können. Auch bei anderen Krankheiten wird anhand des Titers eingeschätzt, wie gut ein Proband gegen eine Infektion geschützt ist. Hohe Titer deuten auf hohen Schutz hin.

Corona-Impfstoffe Biontech und Moderna - Antikörper verglichen 

Beide nun untersuchten Impfstoffe basieren auf dem gleichen Prinzip. Beide sind mRNA-Impfstoffe. Doch hinsichtlich der Dosis und dem Abstand zwischen beiden Impfungen gibt es Unterschiede zwischen den beiden Vakzinen.

Doppelt so viele Antikörper bei Moderna 

Die belgische Studie zeigt: Menschen, die mit Moderna geimpft wurden, hatten mehr als doppelt so viele Antikörper gebildet als Menschen,  die mit Biontech/Pfizer geimpft wurden.

Der Titer, der sich bei den Probanden nach einer zweifachen Impfung mit Moderna ergab, ist im Durchschnitt laut den Ergebnissen der Studie mehr als doppelt so hoch wie nach der Zweifachimpfung mit Biontech/Pfizer (3836 U/mL im Vergleich zu 1444 U/mL).

Eine Erklärung: Die Dosis könnte den Ausschlag geben. Werden bei Moderna 100 Mikrogramm RNA verimpft, sind es bei Biontech nur etwa ein Drittel davon (30 Mikrogramm). Ein dritter Anbieter, die deutsche Pharmafirma Curevac, die ebenfalls an mRNA-Impfstoffen forscht, wollte mit noch weniger mRNA auskommen. In Studien fiel die Wirksamkeit aber deutlich ab, der Impfstoff von Curevac ist bisher  nicht zugelassen.

Abstand zwischen Impfungen unterschiedlich 

Ein zweiter Grund für die unterschiedlichen hohen Titer könnten die unterschiedlichen Intervalle zwischen der Erst- und Zweitimpfung sein. Bei Moderna gilt ein Abstand von mindestens vier Wochen, bei Biontech kann die Zweitimpfung schon nach drei Wochen erfolgen.

Einschränkend geben die Wissenschaftler zu bedenken, dass alle ihre Probanden Angestellte im Gesundheitswesen waren und nicht die gesamte Bevölkerung repräsentierten. Auch waren dreiviertel der Probanden Frauen.

In Israel, wo vorwiegend mit Biontech geimpft wurde, steige die Corona-Zahlen wieder an. Ende August gab es eine Inzident von etwa 700, obwohl 60,55 Prozent der 8,9 Millionen Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind.

In einem Twitter-Beitrag schreibt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dazu: „Israel hat früher geimpft und den Abstand bei Biontech auf drei Wochen gesenkt. Wenn die hohen Fallzahlen dort jetzt auf die drei Wochen Abstand zurück gehen, haben wir Glück. Wenn es am Verlust der Wirkung von Biontech liegt, haben wir Pech.“

Auch auf den möglicherweise früher nachlassenden Immunschutz bei Biontech-Geimpften nimmt er Bezug:

„Diese Studie beim Medizinpersonal zeigt recht eindeutig, dass eine Moderna-Impfung bei vorher nicht Infizierten oder bei vorher Infizierten stärker wirkt als Biontech. Das wird sich bei Durchbruchsinfektionen bemerkbar machen“, so der SPD-Gesundheitsexperte.