Chaoten warfen die Absperrgitter um, um in Luxemburg auf einen Weihnachtsmarkt zu gelangen.
Chaoten warfen die Absperrgitter um, um in Luxemburg auf einen Weihnachtsmarkt zu gelangen. Twitter/AnonymeCitoyen

In ganz Europa spitzen sich die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen zu, die Gewaltbereitschaft wächst: In Italien und Holland gingen Tausende auf die Straßen, allein in Wien protestierten rund 40.000 Menschen gegen die geplante Impfpflicht in Österreich. In der teils aufgeheizten Stimmung kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, fünf Demonstranten wurden festgenommen.

In Luxemburg stürmte eine wütende Menschenmenge einen Weihnachtsmarkt, zu dem nur Geimpfte, Genesene und Getestete Zutritt hatten. In sozialen Medien ist in Videos zu sehen, wie Demonstranten die Absperrgitter umwerfen, um gewaltsam auf das Gelände vorzudringen.

40.000 Menschen gingen in Wien auf die Straße.
40.000 Menschen gingen in Wien auf die Straße. imago/photonews.at

Auch in Deutschland demonstrierten Gegner der Corona-Politik. In Berlin-Friedrichshain waren es trotz Verbots laut Polizei eine untere dreistellige Zahl Menschen, auch hier gab es mehrere Festnahmen.

Doch nichts erschütterte Politik und Polizei mehr als der Protest von rund 30 Menschen vor dem Haus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) in Grimma, der eine neue Stufe der Eskalation erreichte. Laut rufend mit Fackeln, Trommeln und Plakaten versammelten sich die Teilnehmer am Freitagabend vor Köppings Haus, skandierten „Friede, Freiheit, keine Diktatur“.

Fackelumzug erinnert an Bilder aus der Nazi-Diktatur

Parteiübergreifend löste der Fackel-Umzug Empörung aus. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans nannte den Auftritt „faschistoid“. Das brauche „eine Antwort mit der vollen Härte des Rechtsstaats“, forderte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte mit Blick auf die Kampforganisation der NSDAP: „Das sind Methoden, die hat die SA erfunden.“

Innenminister Horst Seehofer (CSU) erinnert der Fackelumzug in Bild am Sonntag: „als organisierte Einschüchterung einer staatlichen Repräsentantin an die dunkelsten Kapitel unserer deutschen Geschichte“. Köpping selbst, die zum Zeitpunkt des Protests nicht zu Hause war, verurteilte den Protest vor ihrem Haus als „widerwärtig und unanständig“.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) ist empört über den Fackel-Aufzug vor ihrem Haus.
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) ist empört über den Fackel-Aufzug vor ihrem Haus. dpa/Matthias Rietschel

Staatsschutz ermittelt wegen Fackelprotests

Die Polizei erstattete Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und prüft Verstöße gegen die Corona-Verordnung. Zurzeit sind nur ortsfeste Versammlungen mit maximal zehn Teilnehmern in Sachsen erlaubt. „Alle rechtlichen Schritte sowie in Betracht kommenden Straftatbestände“ gegen die Protestierenden würden geprüft, demnach übernahm das Staatsschutz-Dezernat der Polizeidirektion Leipzig die Ermittlungen.

Die Gewalt könnte sich weiter hochschaukeln: Mit der geplanten Impfpflicht in Deutschland erwarten Beobachter eine weitere Radikalisierung der Querdenker-Szene.