Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). dpa/Arne Dedert

 Jawohl, es ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, einen Eisenbahnzug zu steuern. Jawohl, dafür sollten Lokomotivführer gut bezahlt werden. Jawohl, es gibt Inflation. Jawohl, ein Jahr ohne Lohnerhöhung ist Mist. Jawohl, eine kleine Gewerkschaft darf versuchen, einer größeren Mitglieder abzujagen. Jawohl, Lokomotivführer dürfen streiken. 

Das ist verbrieftes Recht, das in Deutschland nicht über die Maßen oft wahrgenommen wird, und in aller Regel kommen gerade bei Streiks im Verkehrswesen die Fahrgäste einigermaßen klar, wenn auch brummig.

Jetzt aber dürften sie zurecht richtig verärgert sein und in die vielen „Jawohls“ nicht einstimmen. Über Wochen während der Tarifverhandlungen hatten die Lokführergewerkschaft GDL und ihr Chef Claus Weselsky ständig behauptet, sie würden „rechtzeitig“ über den Beginn eines Arbeitskampfs informieren. 

Was sie sich unter „rechtzeitig“ vorstellen, haben sie jetzt klargemacht: 15 Stunden vor Streikbeginn. Nicht alle Fahrgäste werden das sofort wahrgenommen haben, weil sie nicht ständig in den sozialen Medien unterwegs sind oder Radio hören. Der eine oder andere wird am Mittwoch sicher auch ratlos auf einem Bahnsteig herumstehen, weil er gar nichts mitbekommen hat.

„Rechtzeitig“ war die Streikankündigung jedenfalls nicht, die Mitteilung der GDL gleicht eher einem Überfall.

Dazu kommt, dass der besserwisserische Ton Weselskys – der so redet, als ob es beim Bahnvorstand und bei der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG überall nur Versager und Nieten gebe – jedwede Solidarität der EVG-Kollegen unterminiert und eine irgendwie geartete Partnerschaft mit der Bahnführung untergräbt.   

Der Mann reißt mit dem Hintern ein, was er mit den Händen aufbaut.