US-Präsident Joe Biden ist 79 Jahre alt.  AP/Carolyn Kaster

Der jüngste Gesundheitscheck des US-Präsidenten las sich wenig schmeichelhaft. Ausführlich wurde darin der „steife Gang“ des mächtigsten Mannes der Welt thematisiert. Von allgemeinem „Verschleiß“ war die Rede und davon, dass orthopädische Einlagen für ihn ratsam seien. Joe Biden ist 79, im kommenden Jahr wird er 80. Der Demokrat zog als ältester Präsident aller Zeiten ins Weiße Haus ein. Mit seinem fortgeschrittenen Alter ist Biden in der US-Politik nicht allein.

Die Nummer drei im Staat, die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist 81. Und in beiden Kammern des Kongresses ist das Durchschnittsalter aktuell so hoch wie nie zuvor.

88-Jähriger will 2022 erneut antreten

Don Young ist derzeit der älteste Abgeordnete im Repräsentantenhaus. Der Republikaner ist 88, er sitzt seit 1973 in der Kammer, seit fast einem halben Jahrhundert. Und Young denkt nicht ans Aufhören. Bei der Kongresswahl 2022 will er wieder antreten.

Don Young (88) ist derzeit der älteste Abgeordnete im Repräsentantenhaus.  AP Photo/Mark Thiessen

Im Senat ist Dianne Feinstein aktuell das älteste Mitglied. Auch die Demokratin ist 88, für sie steht eine mögliche Wiederwahl erst 2024 an. Ob sie dann noch mal antreten wird, ist unklar. Die nötigen Unterlagen dafür hat sie vorsichtshalber schon mal eingereicht.

Feinsteins Senatskollege Chuck Grassley, das zweitälteste Mitglied in der Kammer, hat jüngst schon seine erneute Kandidatur bei der Wahl im kommenden Jahr angekündigt. Der Republikaner ist ebenfalls 88, nur drei Monate jünger als Feinstein. Er zog 1981 in den Senat ein. Der Altersdurchschnitt dort lag Anfang 2021 bei 64,3 Jahren. Zum Vergleich: Im Bundestag beträgt das Durchschnittsalter 47,3 Jahre.

Altersdurchschnitt im Senat: 64,3 Jahre

In den beiden Kammern des US-Kongresses gibt es diverse andere, die weit über das übliche Rentenalter hinaus sind: zum Beispiel die Senatoren Richard Shelby (87), James Inhofe (87), Patrick Leahy (81) und Bernie Sanders (80) oder die Abgeordneten Bernice Johnson (86), Grace Napolitano (85), Bill Pascrell (84) und Hal Rogers (83). Die Liste ließe sich fortsetzen. Und manche der älteren Riege sind Gegenstand von Geraune.

Peinliche Pannen: Dianne Feinstein (88) ist die älteste Senatorin.  imago/Oliver Contreras

Ein Beispiel: Bei einer Anhörung im Justizausschuss des Senats im November 2020 mit dem damaligen Twitter-Chef Jack Dorsey erlebte Feinstein einen peinlichen Moment. Sie stellte Dorsey eine Frage zu einem Warnhinweis, mit dem das Unternehmen einen Tweet des damaligen Präsidenten Donald Trump versehen hatte. Die Demokratin las die Frage vom Blatt ab, wirkte dabei konzentriert. Dorsey antwortete. Doch nur etwa eine Minute später stellte Feinstein exakt die gleiche Frage noch einmal - ohne es zu merken. Dorsey antwortete erneut und sah galant über den Lapsus hinweg. Andere zeigten weniger Verständnis.

Schlagzeilen über mentalen Verfall

Es folgten Schlagzeilen über Feinsteins angeblichen mentalen Verfall. Das Magazin „New Yorker“ schrieb, der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, habe Feinstein nahegelegt, beiseitezutreten und ihren Führungsposten im wichtigen Justizausschuss aufzugeben. Nur: Feinstein habe sich wegen Gedächtnisproblemen schon kurz darauf nicht mehr an die schwierigen Gespräche erinnern können - so habe Schumer die schmerzhafte Botschaft gleich mehrfach überbringen müssen. Feinstein entgegnete, es gehe ihr „ziemlich offensichtlich“ gut.

Es gibt in den USA ein Mindestalter für Senatoren und Abgeordnete, auch für Präsidenten und deren Vizes – nicht aber ein Höchstalter. Ein Präsident darf nur zwei Amtszeiten im Weißen Haus bleiben, für Kongressmitglieder dagegen gibt es keine Begrenzung.

Der Republikaner Strom Thurmond aus South Carolina schied 2003 sogar erst im Alter von 100 Jahren aus dem Senat aus – nach fast 48 Jahren in der Kammer. 

Vorstöße, die Mandatszeiten im US-Kongress zu begrenzen, blieben bislang erfolglos. Schon Harry Truman – US-Präsident von 1945 bis 1953 – plädierte dafür, eine Beschränkung der Amtszeit auch für Senatoren und Abgeordnete einzuführen. Er mahnte: „Wir würden dazu beitragen, Senilität und Überalterung zu heilen – beides schreckliche Krankheiten der Gesetzgebung.“