Der Geistliche Hans U. ist wegen 33-fachen Missbrauchs angeklagt. dpa/Federico Gamberini

Überraschende Wende im Missbrauchsprozess gegen den katholischen Priester Hans U. (70): Noch im Gerichtssaal wurde der angeklagte Geistliche des Erzbistums Köln am Donnerstagabend verhaftet und kam in Untersuchungshaft.

Es bestehe Wiederholungsgefahr, begründete das Landgericht Köln den Schritt. Der ehemalige Pfarrer steht seit November wegen 33-fachen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Hans U. wird vorgeworfen, in den 1990er-Jahren seine drei minderjährigen Nichten zum Teil schwer missbraucht zu haben. Außerdem soll er sich 2011 an einem elfjährigen Mädchen vergangen haben.

Angeklagter Priester soll seine Nichten missbraucht haben

Der Pfarrer durfte lange Zeit weiter als Geistlicher arbeiten, obwohl das Erzbistum von den Vorwürfen wusste.

Im Laufe des Prozesses meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer, die dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht als Zeugen aussagten. Dabei habe eine Zeugin von Übergriffen noch im Jahr 2019 berichtet.

„Aufgrund der Vielzahl möglicher Übergriffe, die zudem nunmehr teilweise auch aus der jüngeren Vergangenheit stammen könnten, hat die Kammer in ihrem Beschluss den Haftgrund der Wiederholungsgefahr bejaht“, erklärte der Gerichtssprecher.

Weitere Opfer meldeten sich im Laufe des Prozesses gegen den katholischen Priester

Über eine Anklage wegen der neuen Vorwürfe sei noch nicht entschieden. Falls es dazu kommt, könnte sie mit einer sogenannten Nachtragsanklage in das laufende Verfahren einbezogen werden, sagte der Sprecher.

Die Kammer hatte in dem Prozess auch den Hamburger Erzbischof Stefan Heße als Zeugen vernommen. Er war früher Personalchef im Kölner Erzbistum und mit dem Fall des Angeklagten befasst, als dieser 2010 von einer seiner Nichten schon einmal angezeigt worden war.