Das Bischofskollegium trifft nicht wie hier persönlich zusammen, sondern wegen Corona online. Foto: dpa/Friso Gentsch

Die Stimmung dürfte gedrückt sein in der katholischen Bischofskonferenz, die am Dienstag ihre dreitägige Vollversammlung begann: Nicht nur in Köln und drumherum führt ein von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zurückgehaltenes Gutachten zu sexuellem Missbrauch durch Geistliche in seinem Erzbistum zu vielen Kirchenaustritten.

Der Fall steht offiziell nicht auf der Tagesordnung der 68 Teilnehmer, dürfte aber eine Rolle spielen: Katholische Laien prangern eine Verschleierung an und konstatieren Wut in den Gemeinden über mangelnde Transparenz. 

Ein Bischof mit Eichel-Hut: So drastisch ging man im Düsseldorfer Karneval mit dem Thema Missbrauch durch Geistliche um. Foto: dpa/Federico Gambarini

Woelki hat das Gutachten, in dem der Umgang von Verantwortlichen mit Missbrauchsfällen untersucht wurde, als methodisch ungenügend bezeichnet  und ein neues in Auftrag gegeben, dass am 18. März veröffentlicht werden soll. Darin soll von 300 Opfern und 200 Beschuldigte seit 1946 die Rede sein. Das überlagert Woelkis sozialpolitische Ausrichtung zugunsten von Flüchtlingen oder sein Einsatz gerade in seiner Zeit als Erzbischof in Berlin für eine menschenwürdige Unterbringung von Roma.

Klare Konsequenzen für die Vertuschung gefordert

Der oberste katholische Repräsentant in Bonn, Wolfgang Picken, forderte klare Konsequenzen für Bischöfe und andere Verantwortungsträger, die Missbrauch vertuscht haben. Zurzeit sei völlig unklar, wie sich ein Bischof zu verhalten habe, wenn er bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen nicht richtig gehandelt habe, sagte der Bonner Stadtdechant. Es sei nicht geregelt, ob Verantwortliche Geldzahlungen leisten müssten, auf kirchliche oder päpstliche Titel verzichten oder zurücktreten. Woelki hatte einen Rücktritt nicht ausgeschlossen.

Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Picken erinnerte daran, dass das Bistum Aachen im November ein unabhängiges Gutachten veröffentlicht hatte, in dem auch Ex-Bischof Heinrich Mussinghoff belastet worden war. Geschehen sei bisher aber nichts - Mussinghoff habe sich „zum Denken zurückgezogen“. Das Bistum Aachen bestätigte, dass weder Mussinghoff noch die anderen in dem Gutachten genannten Verantwortlichen bislang ein Zeichen der Reue hätten erkennen lassen.

Bischöfe sollten eigenständig ihr Gewissen befragen

Picken bezeichnete es als fatal für das Ansehen der Kirche, wenn der Eindruck entstehe, dass die Verantwortlichen erst dann Konsequenzen zögen, wenn sie durch Gutachten oder öffentlichen Druck dazu gezwungen würden. Vielmehr müsse von Bischöfen erwartet werden können, dass sie eigenständig ihr Gewissen befragten und dann handelten. Andernfalls werde das Thema Missbrauch keine Normalität im kirchlichen Leben mehr zulassen.

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In fast allen 27 Bistümern würden nun unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben. „Die werden nicht alle zeitgleich herauskommen, sondern Monat für Monat und Jahr für Jahr veröffentlicht werden, so dass wir dann einen Skandal nach dem anderen haben, weil die Wahrheit nicht im Vorhinein von den Verantwortlichen eingestanden wird.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat für den Fall von belegbarem Fehlverhalten bei der Aufarbeitung von Missbrauch personelle Konsequenzen angemahnt. „Wenn eindeutiges Fehlverhalten festgestellt wird, dann ist ein Rücktritt angebracht.“ Ein  deutlicher Fingerzeig auf Woelki.

Sternberg erwartet nicht, dass die Bischofskonferenz Schritte gegen Woelki einleitet. „Die Bistümer sind rechtlich eigenständig, die Bischofskonferenz ist da keine übergeordnete Organisation, die Anweisungen geben kann. “