Jährlich landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Um gegenzusteuern, soll das Mindesthaltbarkeitsdatum abgeschafft werden.
Jährlich landen elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Um gegenzusteuern, soll das Mindesthaltbarkeitsdatum abgeschafft werden. epd

Fast elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen in Deutschland jährlich in der Mülltonne. Das entspricht 78 Kilo pro Person bzw. 230 Euro pro Kopf, während weltweit Milliarden Menschen hungern müssen.

Dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden, hat für Baden-Württembergs Ernährungsminister Peter Hauk (CDU) einen Hauptgrund, der ihn schon seit langem stört: Das Mindesthaltbarkeitsdatum! Dieses „muss in seiner bestehenden Form abgeschafft werden, denn es ist noch immer ein Grund dafür, dass zu viele Lebensmittel weggeschmissen werden“, sagte Hauk der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Verbraucher sollen selbst entscheiden, welches Essen noch gut ist

Der Begriff Mindesthaltbarkeitsdatum lasse oft vermuten, dass Lebensmittel nach Ablauf ungenießbar seien. Doch bei der Entscheidung sollten sich Verbraucher auch nach dem gesunden Menschenverstand richten. „Die Menschen müssen sich auch wieder auf ihre Sinne verlassen und riechen, sehen und schmecken, ob Essen noch gut ist“, fordert der CDU-Minister. Lebensmittel sollten in Zukunft nur noch mit dem Produktionsdatum gekennzeichnet werden.

Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) hält das Mindesthaltbarkeitsdatum für unnötig.
Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) hält das Mindesthaltbarkeitsdatum für unnötig. dpa/Christian Johner

Den Vorschlag will er als neuer Vorsitzender der Verbraucherschutzministerkonferenz mit Bund und Bundesländern diskutieren. „Wir müssen uns nicht über Essen Gedanken machen, das in der Tonne liegt. Unser Ziel muss es sein, dass es dort gar nicht erst landet“, so der Minister weiter.

Handelsverband für MHD-Abschaffung

Der Handelsverband Baden-Württemberg zumindest befürwortet Hauks Pläne. „Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher entsorgen auch heute noch Lebensmittel aufgrund eines abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums, obwohl diese Lebensmittel noch für den Verzehr geeignet wären“, teilte Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann in der FAZ mit.

Auch die rheinland-pfälzische Umweltministerin Katrin Eder fragt sich, ob Produkte wie Reis, Nudeln oder getrocknete Hülsenfrüchte ein strenges Mindesthaltbarkeitsdatum brauchen. Ganz abschaffen will sie den Stempel allerdings nicht. „Eine komplette Abschaffung halte ich nicht für zielführend“, sagte Katrin Eder dem SWR. In Studien sei herausgekommen, dass es für Verbraucher wichtig sei, ein Orientierungsdatum auf Lebensmitteln zu haben.

Doch man sollte sich den Lebensmittelkatalog noch einmal neu anschauen, schlägt Eder vor. Bund und die EU würden sich sicherlich auf eine Reform des Mindesthaltbarkeitsdatums verständigen können, hofft Eder. Allein schon, weil die Verschwendung von Lebensmitteln auch einen hohen, unnötigen CO2-Ausstoß bedeute.

„Containern“ keine Lösung gegen Lebensmittelverschwendung

Einen Vorschlag von Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) gegen Lebensmittelverschwendung findet da weniger Befürworter. Özdemir hatte vorgeschlagen, das sogenannte Containern, also die Mitnahme von bereits weggeworfenen Lebensmitteln aus Abfallcontainern, nicht mehr zu bestrafen. „Wer noch verzehrfähige Lebensmittel aus Abfallbehältern retten will, sollte dafür nicht belangt werden“, hatte Özdemir der Rheinischen Post gesagt. Ernährungsminister Hauk lehnt den Vorstoß ab, für ihn bleibt das Containern Diebstahl.