Mit den Reformen könnten viele Frauen in Teilzeitbeschäftigungen gedrängt werden. imago/imagebroker

Mit der geplanten Anhebung der Verdienstgrenze bei Minijobs und Midijobs will die Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) Frauen vor der sogenannten Teilzeitfalle bewahren. Doch genau das Gegenteil könnte die Reform bewirken!

Wirtschaftswissenschaftler befürchten nämlich, dass mit den Reformen insbesondere Frauen erst in Teilzeitbeschäftigungen hineingedrängt werden können. Das zeigen neue Berechnungen des Ifo-Instituts. Und der Staat bezahlt das sogar mit 6,5 Milliarden Euro aus Steuergeldern!

Staat bezahlt 6,5 Milliarden Euro für die Verdrängung von Frauen aus Vollzeitjobs

Die Bundesregierung plant, die Verdienstgrenze für Minijobs von derzeit 450 auf 520 Euro pro Monat zu erhöhen. Zudem sind Steuerentlastungen in Form einer Erhöhung der Werbungskostenpauschale und des Grundfreibetrags geplant. Teilzeitjobs würden finanziell attraktiver; laut Berechnungen des Ifo-Instituts würden rund 80.000 Frauen mehr in Teilzeitjobs mit wenigen Stunden arbeiten und weitere 40.000 Frauen ihre Vollzeittätigkeit aufgeben.

„Zwar hätten die Reformen insgesamt eine positive Auswirkung auf die Arbeitsmarktbeteiligung, jedoch würden vor allem Männer ihre Arbeitszeit erhöhen“, erklärte das Ifo-Institut zu den Ampel-Plänen am Donnerstag. Frauen dagegen würden demnach ihre Arbeitszeit verringern und noch häufiger in Teilzeit arbeiten.

Reform der Minijobs gefährdet 7000 Vollzeitstellen

„Die negativen Beschäftigungswirkungen entstehen vor allem durch die Kombination des bestehenden Ehegattensplittings sowie der Ausweitung der steuer- und abgabenfreien Minijobs“, erklärte Ifo-Forscher Maximilian Blömer. Zwar hätten die geplanten Steuerentlastungen auch positive Effekte auf die Beschäftigung. Die Arbeitszeit von Frauen werde sich durch die geplanten Reformen jedoch um umgerechnet 7000 Vollzeitstellen verringern.

Mit den geplanten Reformen verfehle die Regierung somit ihr erklärtes Ziel, „die Verdrängung von regulären Arbeitsverhältnissen durch Minijobs sowie die Teilzeitfalle insbesondere für Frauen zu verhindern“, kritisierte Blömer. Doch damit nicht genug: Der Staat muss für die Reform sogar kräftig zahlen. Kosten von rund 6,5 Milliarden Euro sind zu erwarten.

Auch für die Gewerkschaften sind die Pläne ein rotes Tuch:„Die Ausweitung der Hinzuverdienstgrenze auf 520 Euro ist eine krasse Fehlentscheidung der Ampelkoalition“, kritisierte bereits der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Werneke die Reform. Die Gewerkschaft startete deshalb mit Sozialverbänden und Sozialwissenschaftlern einen öffentlichen Aufruf, um die Regierungspläne zu stoppen.