Bewohner von Shanghai wurden Massentests unterzogen, die Quarantäne in Lagern ist gefürchtet. dpa/kyodo

Vier Wochen durften die meisten der 26 Millionen Einwohner nicht vor die Haustür, mussten in einem harten und vielfach chaotischen Lockdown teils ohne Medikamente und Essen ausharren. Doch Kritik an den harschen Maßnahmen durfte in Chinas größter Stadt Shanghai niemand öffentlich äußern, sonst schlug die chinesische Führung gnadenlos zu. Erst nach quälend langen Wochen lockern jetzt die Behörden vorsichtig den zermürbenden Corona-Lockdown. Trotz neuer Todesfälle und weiterhin täglich Tausender Neuinfektionen haben weitere vier Millionen Bewohner der größten chinesischen Stadt wieder mehr Freiheiten.

Einige Fabriken nahmen den Betrieb wieder auf, darunter bereits am Dienstag der US-Autobauer Tesla. Die Gigafactory in Shanghai hatte mehr als 20 Tage stillgestanden. Die Wiederöffnung der Geschäfte verläuft schleppend, unter den Bewohnern wächst die Verzweiflung über Nahrungsmittelknappheit und geschlossene Geschäfte und Unternehmen.

In Quarantäne-Lagern in Messehallen mussten positiv Getestete tagelang ausharren. AP/Beibei

Die ostchinesische Hafenmetropole steht im Zentrum des größten Corona-Ausbruchs in China seit Beginn der Pandemie vor gut zwei Jahren. Ende März war Shanghai strikt abgeriegelt worden. Etwa 25 Millionen Menschen wurden angewiesen, zu Hause zu bleiben. Die Lieferung von Lebensmitteln funktionierte schlecht, die Nerven lagen blank.

Chaos in Quarantäne-Lagern

Bewohner beschimpften in ihrer Verzweiflung die weiß vermummten Pandemie-Ordner oder Polizisten. Mit Drohnen wurden Wohngebiete aus der Luft überwacht. Hohe Absperrungen und Bauzäune riegelten Häuser hermetisch ab. Roboterhunde mit Megafon liefen durch leere Straßen und „bellten“ Anwohnern Hygiene-Vorschriften vor.

Bewohner, die nicht genug Vorräte hatten, riefen laut aus Fenstern: „Wir haben Hunger.“ Und es ging die große Angst um, bei den ständigen Massentests der Bevölkerung positiv getestet zu werden. Denn zur Quarantäne musste jeder Infizierte in zentrale Lager, die für Zehntausende auch in Messehallen eingerichtet wurden – vielfach ohne Duschen. Die Lager-Isolation galt auch für Menschen, die keine Symptome hatten.

Bisher 17 Corona-Todesfälle in Shanghai bestätigt

Inzwischen können sich zwölf Millionen wieder nach draußen wagen. Trotzdem dürfen sich viele Menschen weiterhin nur innerhalb ihrer Wohnanlagen bewegen, seitdem am Montag die Lockerungen verkündet wurden. Am Mittwoch meldete Shanghai 18.902 Neuinfektionen. Das waren 95 Prozent der Fälle in ganz China. Nur 2495 der in Shanghai positiv getesteten Menschen zeigten auch Corona-Symptome.

China setzt im Gegensatz zu anderen Ländern auf eine strikte Null-Covid-Strategie. Trotz der derzeit hohen Infektionszahlen durch die Omikron-Variante betonten die Behörden in Shanghai lange, dass es keine Corona-Toten gebe. Inzwischen hat die Stadt bislang 17 Todesfälle in der aktuellen Corona-Welle offiziell bestätigt.

Und trotz des Chaos in Shanghai will Gesundheitsminister Ma Xiaowei weiter an der Null-Covid-Strategie festhalten. Es sei eine „irrige“ Vorstellung, mit dem Virus leben zu können, so der Minister. Größere Ausbrüche müssten verhindert und die schwer errungenen Erfolge der Pandemie-Bekämpfung gesichert werden.