Viele Erkältungs-Medikamente für Kinder sind derzeit knapp.
Viele Erkältungs-Medikamente für Kinder sind derzeit knapp. dpa/Maurizio Gambarini

Ob Paracetamol, Ibuprofen oder Fiebersaft – etliche Medikamente für Kinder und Jugendliche sind derzeit knapp. Ein Grund sind Lieferengpässe bei Mitteln aus China und Indien. Der Verbandspräsident der Kinder - und Jugendärzte schlägt Alarm und fordert die Bundesregierung auf, sofort zu handeln!

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„Wir erleben eine sehr hohe Nachfrage nach fiebersenkenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Paracetamol, weil derzeit extrem viele Kinder erkrankt sind“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der Düsseldorfer Zeitung Rheinische Post. Auch die derzeit erhöhte Zahl an Atemwegsinfektionen bei Kindern lässt die Nachfrage nach Arzneimitteln in die Höhe schießen. Es sei ein Armutszeugnis, dass so simple Medikamente wie ein Fiebersaft häufig nicht mehr verfügbar sind.

Verzweifelte Eltern kämen in die Praxen, die Apotheker müssten unverschuldet den Ärger aushalten. „Es gibt zu wenige Anbieter solcher Mittel, weil die Festpreisregelung bei uns zu einem Abwandern der Produktion in Billiglohnländer wie Indien und China geführt hat“, kritisierte der Kinderarzt. „Dort gibt es nun Lieferkettenprobleme, was wiederum zu Lieferengpässen führt.“

Produktion wichtiger Medikamente auch in Europa nötig

Auch bei manchen Medikamenten für Erwachsene hatte es zuletzt Lieferengpässe gegeben. Die Bundesregierung will als Reaktion das Vergaberecht ändern. Ziel sei, Lieferketten breiter anzulegen, damit die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern abnimmt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums Ende November.

Die Situation sei trotz vorhandener Instrumente zu Ausweichpräparaten bei Engpässen unbefriedigend. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte dem ARD-Hauptstadtstudio gesagt, die Krankenkassen sollten nicht länger gezwungen sein, Medikamente und Wirkstoffe dort einzukaufen, wo sie am billigsten sind.

Die von der Bundesregierung vorgestellten Pläne für Gesetzesänderungen kämen zu spät, kritisierte hingegen der Verbandspräsident Fischbach. „Wir brauchen jetzt eine von der Politik angeschobene Beschaffungsaktion, um wie zu Beginn der Corona-Pandemie in einer Notlage schnell an Fiebersaft, bestimmte Antibiotika und andere selten gewordene Präparate für kleine Kinder zu kommen.“

Beschaffungsaktion für Medikamente erforderlich

Auch der CDU-Gesundheitspolitiker Sorge forderte eine staatliche Offensive zum Kauf von Kindermedikamenten. „Noch vor Jahresende muss es einen Beschaffungsgipfel von Bund und Ländern geben, in dem Sofortmaßnahmen für diesen Winter koordiniert werden“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion dem Nachrichtenportal t-online. Der Gesundheitsminister müsse sich „schnellstens“ mit Ländern, Herstellern sowie Großhändlern abstimmen, sich auch bei Nachbarländern um übergangsweise Lieferungen bemühen und so rasch wie möglich einen Planungs- und Beschaffungsstab einrichten.

Für Apotheken sind die Engpässe ein Ärgernis, da sie für Patienten Alternativen zu Medikamenten finden oder teilweise selbst herstellen müssen – das ist aufwendig und teuer. „Mittel- und langfristig brauchen wir in Europa wieder mehr Produktionskapazitäten für wichtige Medikamente, wie zum Beispiel Antibiotika“, forderte deshalb Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), in der Rheinischen Post.

Doch auch die Apotheken selbst könnten schuld an der Knappheit sein. Aus Sicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ist der Mangel an Fiebersäften teilweise darauf zurückzuführen, dass sich manche Apotheken und Großhändler das Lager zu voll machen und die Arzneien andernorts fehlen. Außerdem solle geprüft werden, ob bei älteren Kindern nicht auch Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff eine Alternative seien – bei Paracetamol könnten Kinder ab vier Jahren teilbare Tabletten einnehmen und bei Ibuprofen Kinder ab sechs Jahren.

Maskenpflicht schuld an Krankheitswelle?

Einen Hauptgrund für die aktuelle Krankheitswelle sieht der Verbandspräsident der Kinder - und Jugendärzte in den strikten Maßnahmen während der Corona-Pandemie. „Bis zum Alter von zwei Jahren hatten normalerweise circa 80 Prozent der Kinder Kontakt mit dem RS-Virus“, sagte Fischbach der Bild-Zeitung.

Wegen der Kontaktverbote und Masken sei dies ausgeblieben. „Dadurch haben sich ganze Jahrgänge aufgestaut, die jetzt reihenweise erkranken.“ Insbesondere für kleine Kinder sei das gefährlich, für frühgeborene und vorerkrankte Kinder sogar lebensgefährlich. Der Epidemiologe Klaus Stöhr sagte der Bild, die Maskenpflicht für alle habe unvermeidbare Infektionen „nicht verhindert, nur verschoben“.